2. Bundesliga

Eklat in Dresden: Polizei und DFB nehmen Ermittlungen auf

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Wir schreiben die 18. Spielminute der Partie zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC als das Chaos anfing. Anhänger von Dynamo sind über den Platz Richtung Gästeblock gestürmt. Es wurde Pyro hin und her geworfen, beide Gruppen mussten durch die Polizei getrennt werden. Jetzt wird ermittelt.

Was war der Auslöser?

Es gibt viele Spekulationen, was der Auslöser gewesen sein könnte. „Es gibt die unterschiedlichsten Theorien“, erklärte Dynamos Finanz-Geschäftsführer Stephan Zimmermann bei Sky. Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich stimmte zu: „Es gibt relativ viele Spekulationen. Die Ursache, die muss noch aufgearbeitet werden“. Gerüchten zufolge sollen Hertha-Fans eine gekaperte Dynamo-Fahne gezeigt haben und sind über eine Absperrung in den Innenraum gesprungen.

Es folgte der nächste Fahnen-Klau. Diesmal durch die Dynamo-Fans, die eine Fahne des Förderkreis Ostkurve in die Hände bekamen. Diese soll nach Fussballdaten-Informationen während der Partie und kurz vor dem Platzsturm durch eine von einem Ordner geöffnete Tür im Stadiondach abgezogen worden sein. Der Förderkreis Ostkurve ist der Dachverband der Hertha-Fanszene und versteht sich als „eine Gemeinschaft der Fanclubs, Einzelpersonen und der organisierten Fangruppen“.

Die Reaktion der Hertha-Fans war entsprechend eskalierend. In der Fernsehübertragung war ein lauter, aus dem Berliner Block kommender Knall zu hören. Diverse Videoaufnahmen zeigen, dass es Streit mit dem benachbarten Dresdner Familienblock gab. Den Aufnahmen ist auch zu entnehmen, dass dabei offensichtlich Stangen, Becher und auch Pyrotechnik geworfen wurde. Zudem kam es zu Prügeleien. In der Zwischenzeit hatte der Platzsturm der Dynamo-Fans begonnen.

Wie die Polizeidirektion Dresden noch in der Nacht mitteilte, haben 60 Dynamo-Fans Absperrungen überwunden und sind Richtung Gästeblock gestürmt. Es kam zu Auseinandersetzungen, in den Pyrotechnik und Raketen aufeinander abgefeuert und dabei die Dynamo-Fahne angeblich zurückerobert wurde. Einsatzkräfte der Polizei haben kurz darauf die Gruppen getrennt und die Dynamo-Fans zurück in ihren Block gedrängt, wo man die Hertha-Fahne anschließend verbrannte.

„Schande für den deutschen Fußball“

Die aktive Fanszene der Herthaner hat kurz darauf das Stadion verlassen. Laut der Polizei sind „etwa 600 Gästefans“ vorzeitig abgereist. Polizeibeamte begleiteten sie. Die Partie wurde für rund 20 Minuten unterbrochen, die Polizei bildete eine Kette vor dem Dynamo-Block. Alle Akteuere, die auf dem Platz für ein schönes Fußballspiel sorgen sollten, sind in die Katakomben geflüchtet. Schiedsrichter Sven Jablonski pfiff nach der Unterbrechung wieder an – offiziell in der 19. Minute.

„Solche Dinge haben im Fußball nichts verloren, er sollte vereinen“, sagte Hertha-Keeper Tjark Ernst nach der Partie klar. Innenverteidiger Toni Leistner, der in Dresden geboren wurde, pflichtete seinem Teamkollegen bei: „Was da im ersten Durchgang passiert ist, hat auf dem Fußballplatz nichts zu suchen“. Trainer Stefan Leitl: „Für Fußball-Deutschland ist es schon sehr enttäuschend, was heute Abend hier leider in Dresden passiert ist“. Bei Sky nannte er die Szenen eine „Schande für den deutschen Fußball.“

Stephan Zimmermann warf die Diskussion über verschärfte Stadionverbotsrichtlinien in den Raum und erklärte, dass die Vorkommnisse „ein ganz großer Schuss in den Ofen, vollkommen daneben“ seien. Ein Abend wie dieser helfe „überhaupt nicht weiter“. Peter Görlich sah es genauso, aber fügte hinzu, dass man jetzt „nicht den Fehler machen [sollte], alles zu pauschalisieren und diese Thematik direkt hiermit zu verknüpfen.“

Schon nach drei Minuten musste die Partie wegen der massiven Rauchentwicklung im Stadion nach dem Abbrennen von Pyrotechnik für mehrere Minuten unterbrochen werden. Im Gästeblock der Berliner stieg blau-weißer Rauch auf, während Dynamo-Fans hinter dem Ultra-Block außerhalb des Stadions ein Feuerwerk zündeten. Nach kurzer Pause ließ Schiedsrichter Jablonski das Spiel zunächst weiterlaufen, ehe es wenig später zur zweiten Unterbrechung kam.

Ermittlungsverfahren werden eingeleitet

Insgesamt waren 750 Polizeibeamte aus Sachsen, Bayern und Thüringen im Einsatz. Polizeisprecher Marko Laske der Polizeidirektion Dresden fügte hinzu, dass Ermittlungsverfahren eingeleitet wurden: „Im Rahmen des Einsatzes leitete die Dresdner Polizei mehr als ein Dutzend Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruch, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung sowie Ticketbetrug ein“. Ob Personen aus beiden Fanlagern betroffen sind, blieb erstmal unklar.

Aber nicht nur bei der Polizei wird ermittelt, sondern auch beim DFB. Auf Anfrage der dpa und dem SID teilte der Verband mit: „Wir können Ihnen bestätigen, dass der DFB-Kontrollausschuss nach den Vorkommnissen im Rahmen des Zweitligaspiels zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC zu Beginn der neuen Woche Ermittlungsverfahren gegen beide Vereine einleiten wird“. In einem ersten Schritt werden dann beide Vereine schriftlich zu Stellungnahmen aufgefordert.

In der Nacht auf Sonntag hat sich Dynamo Dresden kurz zu den Ausschreitungen geäußert: „Die Sportgemeinschaft distanziert sich entschlossen von den Vorkommnissen und strebt eine zeitnahe Aufarbeitung in Zusammenarbeit mit den Sicherheitskräften und Fanvertretern an“, schrieb die SGD. Bereits während der Partie „setzten sich Verantwortliche der Sportgemeinschaft mit den leitenden Einsatzkräften der Polizei zusammen, um erste Erkenntnisse kommunikativ auszutauschen.“

Von Hertha BSC ist bislang noch kein offizielles schriftliches Statement veröffentlicht worden. Fussballdaten hat sich auch an die Fanhilfe der Berliner gewendet, doch bislang keine Antwort erhalten.

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