Hertha-Debakel: „Mit dem Aufstieg haben wir nichts mehr zu tun“

Hertha BSC wollte mit dem teuersten Kader der 2. Bundesliga zurück ins Oberhaus. Doch bereits nach dem 23. Spieltag scheint der Traum geplatzt zu sein. Nachdem man bereits das Verfolgerduell gegen Hannover 96 verloren hatte (2:3), gab es noch eine letzte Chance für die Berliner, weiterhin oben mitsprechen zu können. Eine denkwürdige 2:5-Niederlage gegen den SC Paderborn besiegelt wohl das Aus im Aufstiegsrennen.
Hertha-Debakel von Beginn an
Das Spiel gegen Paderborn entwickelte sich zu einem wahren Albtraum für die Hauptstädter. Bereits in der 7. Minute traf Gegenspieler Sebastian Klaas zur Führung, einige Minuten später erhöhte Tjark Scheller nach einer Ecke per Kopf auf 2:0. Hertha verschlief die Anfangsphase komplett. Doch der erste Schuss aufs Tor saß: Nach einem Paderborner Ballverlust traf Luca Schuler sehenswert per Hacke aus dem Nichts zum 2:1-Anschluss. Doch Nick Bätzner stellte noch vor der Pause auf 3:1.
Nach der Halbzeit wechselte Stefan Leitl dreifach, und brachte unter anderem Josip Brekalo. Hertha spielte eine bessere zweite Halbzeit, doch das half nicht: Mika Baur trifft nach Elfmeter, und der starke Raphael Obermair erhöht auf 5:1. Brekalo traf nur noch zum 5:2-Endstand. Im Großen und Ganzen dominierte Paderborn das Spiel mit drückender Überlegenheit von Anfang bis Ende. Hertha bot spielerisch nichts und zerfiel in Einzelteile.
Leitl ratlos: „So kenne ich meine Mannschaft nicht“
Trainer Stefan Leitl stand fassungslos da. Nach dem Spiel sagte er: „So kenne ich meine Mannschaft nicht. Ich weiß nicht, woher das jetzt auf einmal kam“. Die taktische Ausrichtung griff kaum, auch der Dreifachwechsel zur zweiten Hälfte brachte keine entscheidende Veränderung. Defensiv entstanden zu große Lücken, und in der Offensive kam man kaum zum Zug. Nach knapp einer Stunde hatte man nur zwei Schüsse auf das Tor von Dennis Seimen abgegeben.
Leitl legte kurz und bündig nach: „Mit dem Aufstieg haben wir nichts mehr zu tun“, so der 48-Jährige ehrlich. Dabei hatte er die Partie im Vorfeld noch anders eingeordnet und gesagt, dass das Spiel gegen den SC Paderborn kein Endspiel sei, sondern ein Spiel gegen eine Mannschaft, die in der Tabelle vor ihnen steht.
Ernst fordert Selbstkritik
Torwart Tjark Ernst traf den Nagel auf den Kopf und forderte schonungslose Ehrlichkeit: “ Wir sollten aufhören, von diesem Aufstieg zu sprechen. Dann muss man bei einem direkten Konkurrenten eine andere Leistung zeigen.“ Er ergänzte: „Jeder einzelne von uns sollte sich heute hinterfragen. Jeder sollte bei sich anfangen und in den Spiegel schauen, ob er wirklich alles gegeben hat, um heute erfolgreich zu sein.“ Auch Abwehrchef Toni Leistner findet ehrliche Worte: „Wenn du fünf Dinger kriegst, hast du oben nicht zu suchen.“
Herthas Realität nach Paderborn
Nach dem 2:5 in Paderborn und den deutlichen Aussagen von Leitl, Ernst und Leistner ist klar: Der direkte Aufstieg ist realistisch nicht mehr zu erreichen. Zehn Punkte Rückstand auf Platz drei nach 23 Spieltagen sind eine deutliche Hypothek. Rechnerisch lebt die Chance zwar noch, sportlich wirkt sie aber kaum greifbar. Kurzfristig geht es darum, die Saison sauber zu Ende zu bringen.
Leitl steht somit massiv unter Druck, und eine Umstrukturierung im Sommer wäre keine Überraschung, wenn die Formkurve nicht steil nach oben geht. Auch die Chefetage rund um Sportdirektor Benjamin Weber muss sich hinterfragen.
Trotz des teuren Kaders und der damit verbundenen Qualität der Spieler, können die Berliner erneut nicht im Kampf um den Aufstieg mitmischen. Es droht die vierte Zweitligasaison nach dem Abstieg 2022/2023.



