Bayer 04 Leverkusen

Die Überraschungsspieler der Saison – Teil 2

Die Saison neigt sich dem Ende zu. Der BVB und der FC Bayern konkurrieren im Fernduell um die Meisterschaft. Dies haben die beiden Mannschaften nicht zuletzt Spielern wie Jadon Sancho, Axel Witsel oder Serge Gnabry zu verdanken. Aber auch die anderen Vereine der Bundesliga haben Personalien in ihren Reihen, die in der aktuellen Spielzeit unerwartet groß aufspielten. Kai Havertz beispielsweise erspielte sich bei Leverkusen in dieser Saison vermutlich eine goldene Zukunft. Welche Spieler haben mit ihren guten Leistungen am meisten überrascht ?

TSG Hoffenheim: Nagelsmanns unerwarteter Trumpf

Zugegebenermaßen waren die Leistungen der Hoffenheimer teils unberechenbar. In einem Spiel zeigten sie internationale Brillanz im nächsten chaotische Defensivleistungen. Dass Andrej Kramaric jedoch seit inzwischen drei Saisons auf höchstem Niveau Leistungsträger der Kraichgauer ist, überrascht immer wieder. Auch die Torgefahr des in Bremen nie wirklich angekommenen Ishak Belfodil ist eine der großen Überraschungen der Rückrunde. Doch wirklich staunen durfte die Bundesliga über einen bereits Abgeschriebenen.

Der 23-jährige Brasilianer Joelinton spielte sich durch eine brillante Vorbereitung in die Stammformation. Mit sieben Toren und sieben Vorlagen weist Joelinton in 26 Einsätzen eine Statistik auf, die ihm bei seiner schlecht verlaufenden Leihsaison bei Rapid Wien niemand zugetraut hätte. Motor im Pressing, geschickte Konterführung und eine perfekte Kombination aller benötigten Qualitäten eines Mittelstürmers: Joelinton hat das Vertrauen zurückgezahlt. Sein Syndemosebandriss im März war ein herber Rückschlag. Derzeit arbeiten die Kraichgauer daran, den von vielen Vereinen umworbenen Stürmer zumindest am letzten Spieltag wieder auf dem Platz zu sehen.

Leverkusen und die Zukunft des DFB

Noch hofft Leverkusen auf Europa. Teilweise bewies die Werkself mit atemberaubendem Offensivfussball, dass dieser Anspruch gerechtfertigt ist. Doch viel zu oft zeigten sie die Schwächen einer jungen und zu sehr auf die Offensive fokussierten Mannschaft. Das Gesicht der Sonnenseite dieses Teams heißt ohne jeden Zweifel Kai Havertz. Havertz spielte in dieser Saison in jedem der 31 Saisonspiele. 14 Tore, vier Vorlagen und trotz seiner unglaublichen 19 Jahre Elfmeterschütze und Impulsgeber der Leverkusener Mannschaft. Die wahnsinnige Entwicklung dieses Spielers zeigt sich auch in seinem Marktwert von inzwischen 65 Mio €. Joachim Löw berief den gebürtigen Aachener ins A-Nationalteam. Havertz und seine Mannschaftskollegen Julian Brandt und Jonathan Tah sind beispielhaft für die Zukunft der deutschen Nationalmannschaft.

Werder Bremen: Kohfeldts Held im Umschalten

Werder Bremen ist sicherlich insgesamt eine Überraschung dieser Saison. Florian Kohfeldt ist es gelungen eine homogene Mannschaft zu formen, deren spielerisches Können sich nicht vor einer einzigen Top-Mannschaft der Liga verstecken muss. Davy Klaasen und Nuri Sahin wussten zu überzeugen. Milot Rashica trumpft besonders in der Rückrunde auf. Der 22-jährige hatte in der Rückrunde der letzten Spielzeit seine Schwierigkeiten. Inzwischen ist sein Tempo und sein Torriecher ein überraschender und entscheidender Faktor im Bremer Umschaltspiel. Mit acht Toren und drei Vorlagen steht in dieser Saison lediglich Dauerbrenner Max Kruse (11, 10) vor ihm. Kruses Brillanz auf dem Platz ist sicher keine Überraschung mehr. Doch die Tatsache, dass er dies in der dritten Saison in Folge in der Lage ist abzurufen, ist mindestens bemerkenswert.

VfL Wolfsburg: Europa statt Abstieg

Eine der großen personellen Überraschungen des VfL Wolfsburg ist sicherlich der Trainer. Bruno Labbadia, dessen Kompetenz er oft bei der Rettung vom Abstieg bedrohter Mannschaften unter Beweis stellte, zeigte in dieser Saison, dass er auch in der Lage ist, eine Mannschaft mit Ambitionen in Europa führen kann. Auf Spielerseite fielen besonders der von vielen abgeschriebene Bundesliga-Routinier Admir Mehmedi, der Franzose Jeróme Roussillion und Mittelfeldmotor Joshua Guilavogui auf. Auch der junge Ersatzkeeper Pavao Pervan bewies unerwartet schnell die Leistungen eines routinierten Torhüters. Die größte Überraschung für die Liga dürfte jedoch der Einschlag vom 1,97-Hünen Wout Weghorst sein. Nach einer guten Saison in den Niederlanden bewies der Stürmer mit zwölf Toren und fünf Vorlagen seine Klasse auch in der Bundesliga. Auch gegen Europakonkurrent Hoffenheim überragte Weghorst nicht nur mit seiner Körpergröße.

Fortuna Düsseldorf: Vom Abstieskampf zur Ligamitte

Spätestens seit dem legendären 3:3 Erfolg gegen den FC Bayern kennt die Bundesliga den Namen Dodi Lukebakio. Der erst 21-jährige Belgier ist mit zehn Toren und vier Vorlagen eine der größten Überraschungen dieser Saison gewesen. Es ist insgesamt erstaunlich wie schnell die Fortuna sich vom Abstiegskampf zur Ligamitte gemausert hat. Ein Faktor dieses Erfolgs ist der aus Watford geliehene Dodi Lukebakio. Eine weitere Überraschung der Rückrunde ist definitiv Lukebakios Landsmann Benito Raman, der sieben Tore und vier Vorlagen in der Rückserie verbucht. Der 24-Jährige war in der zweiten Hälfte der Saison wie ausgewechselt.

Hertha BSC: Positionswechsel mit Folgen

Große Überraschungen hielt Hertha bereits in der Hinrunde bereit. Zum einen wurde Ex-Nationalspieler Marvin Plattenhardt von seinem unangefochtenen Stammplatz verdrängt. Zum anderen stand die Hertha noch bis zum 10. Spieltag auf einem Europarang. Personell verwunderte vor allem eines: Valentino Lazaro wurde von Pal Dardai zum Rechtsverteidiger umgeschult und spielte hier groß auf. Ebenso überraschte zu Beginn der Saison Ondrej Duda. Konstant gute Leistungen zeigten unerwartet vor allem Marko Grujic und Niklas Stark. Stark bewies mit seinen 24-Jahren die Übersicht und die Spielstärke eines erfahrenen Innenverteidigers. Das es sich bei dem inzwischen auch in die A-Nationalmannschaft Berufenen um einen guten Innenverteidiger handelt, war wohl bekannt. Doch seine Unverzichtbarkeit war eine Überraschung, welche jetzt nach seiner Verletzung besonders deutlich wird.