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„Langfristig funktionieren nach meiner Einschätzung zwei Systeme am besten: 4-2-3-1 oder 4-3-3. Alle großen Vereine spielen mit Viererkette.“ So äußerte sich Lucien Favre gegenüber dem „kicker“. Die Umstellung auf eine Dreierkette war ein notwendiger Schritt zur Bekämpfung des Dortmunder Tiefpunkts in der Hinrunde. Doch Favre ist Liebhaber der Viererkette. Der Schweizer macht damit klar, dass es schon durch die Verpflichtung eines Strafraumstürmers wie Erling Haaland notwendig ist, langfristig im klassischen BVB-System mit vier Verteidigern zu planen. Die Umstellung könnte für das Dortmunder Personal Folgen haben. Besonders bei der Innenverteidigung und bei Paco Alcacer sind die Folgen möglicherweise interessant.
Schon in der letzten Woche berichteten wir von den möglichen Systemen, die der BVB in der Rückrunde aufbieten könnte. Mittlerweile ließ der Übungsleiter der Schwarz-Gelben sich bei der Planung für die Rückrunde ein wenig in die Karten schauen. Favres Liebäugeln mit der Rückkehr zur Viererkette kommt überraschend, denn im Trainingslager in Marbella stand die Dreierkette im Mittelpunkt vieler Übungen. Den Schritt seines bevorzugten 4-2-3-1 auf eine Dreierkette umzustellen sah Favre vor dem Hinrundenspiel gegen Hertha BSC nach massiven Problemen in der Defensive als Notwendig an. Tatsächlich stabilisierte sich der Meisterkandidat. Nutznießer dieser Anpassung war zunächst Dan-Axel Zagadou. In der Dreierkette neben Mats Hummels und Manuel Akanji spielte der Franzose groß auf.
Zagadou avancierte schnell zum Fanliebling. Sein Tempo, sein Überblick und seine Ruhe am Ball beeindruckte auch die Vereinsführung. Fangesänge, Stammplatz und Topleistungen: Zagadous Hinrunde glich einem Triumphzug. In der Viererkette ist zwischen dem trotz seiner Jugend sehr erfahrenen Manuel Akanji und dem hochtalentierten Zagadou nur ein Platz neben Mats Hummels frei. Denn Letzterer wird schon als Führungsspieler und erfahrene defensive Säule gebraucht. Favres Idee zu seinem Ursprungssystem zurückzukehren entspringt der Suche nach mehr Flexibilität. „Das hat die anderen Klubs überrascht. Jetzt vielleicht nicht mehr so sehr“, sagt der 62-Jährige mit Blick auf die Dreierkette.
Während Manuel Akanji sich als Stammkraft mehrfach bewiesen hat, lieferte Zagadou zuletzt wieder und wieder Argumente dem Schweizer vorgezogen zu werden. Hat der 24-Jährige Akanji in einem möglichen Zweikampf vermeintlich die Nase vorn, bringt Zagadou das Potential alle zu überraschen auf den Platz.
Ein weiterer Grund für die erneute Systemumstellung ist der Transfer von Erling Haaland. Laut Favre sei der Norweger nun mal ein „echter Stürmer“ und „fühlt sich in einem 4-2-3-1 oder in einem 4-3-3 natürlich bestens aufgehoben“. In einem 3-4-1-2 seien laut dem Trainer „Anpassungen“ notwendig. Da Michael Zorc zuletzt ebenfalls im „kicker“ von der Situation der potentiellen Abgänger Paco Alcacer und Mario Götze sprach, bringen Favres Ankündigung eine weitere interessante Facette in die Personalsituation. „Uns liegt kein Angebot vor“, sagt der Sportdirektor mit Blick auf Alcacer. Mit Götze will der BVB sich im Frühjahr erneut zusammensetzen.
Angesichts der Mehrfachbelastung durch die nationalen und internationalen Pflichtspiele, sowie Favres Ankündigung zur Viererkette zurückzukehren, könnte es zur Wende mit dem wechselwilligen Personal kommen. In einem 4-3-3 gewinnt die Startelf einen offensiven Spieler. So könnten Paco Alcacer und Erling Haaland sich, ähnlich wie der Spanier und Götze in der letzten Saison, die Rolle als Stürmer teilen. Marco Reus wird im 4-3-3 schließlich als Zehner gebraucht und muss nicht in der Sturmspitze seinen Platz finden. Im gewohnten BVB-System der letzten zwei Jahre fühlt sich auch Alcacer zu Hause. In beiden Fällen ist eine Wende bei Götze nicht abzusehen. Eine Reservistenrolle wird dem 27-Jährigen langfristig nicht reichen, doch mit fittem Stammpersonal droht ihm genau diese auch in der Rückrunde.
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