Borussia Mönchengladbach

Ex-Trainer Bernd Krauss über Gladbachs „Power-Fussball“ und die Titelchancen

„Elf Siege, 35 Punkte, achtmal Spitzenreiter und die wenigsten Gegentore zugelassen. Das spricht für sich“, sagt Bernd Krauss, ehemaliger Trainer von Borussia Mönchengladbach im Interview mit der „Westdeutschen Zeitung“. Von 1991 bis 1996 stand der mittlerweile 62-Jährige an der Gladbacher Seitenlinie. In der Saison 1994/1995 gewannen die Fohlen unter Krauss den DFB-Pokal. Der geborene Dortmunder hält die Fohlen in der aktuellen Saison für einen realistischen Meisterkandidaten. Dabei findet der ehemalige Verteidiger lobende Worte für den Gladbacher „Power-Fussball“, den Trainer Marco Rose und erklärt, warum er nicht an einen Leistungsabfall wie in der letzten Saison glaubt.

Bei Gladbach ist aktuell „Vollgas pur“ möglich

Auch Krauss bevorzugte einst den schnellen Offensivfußball. Einen Vergleich mit der Elf, mit der 1995 den DFB-Pokal erringen konnte, möchte er allerdings nicht ziehen. „Irgendwie hinkt das immer. Wir hatten aber damals mit Stefan Effenberg als Anführer und Abwehrchef Patrick Andersson auf jeden Fall ein starkes Team. Deshalb gefällt mir der Power-Fußball von Marco Rose auch so gut.“ Ein starkes Team hat die Borussia auch im Jahr 2020.

„Der Kader ist dicht und stark besetzt, hat große Qualität“, sagt Krauss und lobt explizit die Leistung von Marcus Thuram. Der junge Franzose entpuppte sich nach seinem Transfer zur Borussia im Sommer als Leistungsträger. Doch gerade der schnelle Offensivfussball der Gladbacher zeigt die Wichtigkeit eines breiten Kaders. Die Fohlen können auf eine hochkarätig besetzte Bank zurückgreifen. Für Krauss einer der Gründe, warum in Gladbach „Vollgas pur“ möglich ist.

Krauss lobt Eberl, Rose und Thuram

In der aktuellen Zusammensetzung hält Krauss die Gladbacher für einen realistischen Anwärter für die Meisterschaft. Zwar sei die Liga „sehr ausgeglichen“, doch „Gladbach ist oben mit dabei“, resümiert der Deutsch-Österreicher. Das liegt nicht zuletzt an einer gelungenen Transferpolitik. „Max Eberl hat unterm Strich wieder einmal sehr gute Arbeit geleistet“, sagt Krauss mit Blick auf die Verpflichtungen von Thuram, Breel Embolo und Stefan Lainer. „Das passt alles gut zusammen,“ findet der Ex-Trainer.

Doch auch die Leistung seines indirekten Nachfolgers imponiert dem 62-Jährigen. So scheint es Marco Rose nicht nur zu gelingen, die Spieler richtig zu motivieren, auch schafft er es laut Krauss den Konkurrenzkampf innerhalb des Teams richtig zu moderieren. „Rose wird jetzt auch den Konkurrenzkampf innerhalb der Mannschaft vornehmlich im Mittelfeld gut managen“, ist sich der ehemalige Wiener sicher. Für ihn ist klar: „Die Spieler stehen voll und ganz hinter den Ideen des Trainers, geben immer 100 Prozent.“ Ein rundum gelungenes Erfolgsrezept also?

Kein Leistungsabfall wie in der letzten Saison: „Es funktioniert einfach“

Neben der guten Hinrunde in der Bundesliga mussten die Gladbacher das Aus im Europa Pokal und dem DFB-Pokal hinnehmen. Auch Krauss resümiert: „Zweifellos war die Niederlage gegen Istanbul, bei der sich gezeigt hat, dass es der Mannschaft an internationalem Format und Coolness noch mangelt, eine Riesenenttäuschung.“ Doch der 62-Jährige weiß auch um den Vorteil, den eine Rückrunde in nur einem Wettbewerb mit sich bringen kann. Gladbach könne sich fokussieren, „während für Leipzig, Dortmund und Bayern die heiße internationale Phase in der Champions-League bevorsteht, plus Bundesliga.“ Schon deshalb befürchtet er keinen Abfall in der zweiten Saisonhälfte wie in der Spielzeit 2018/19. Alles in allem resümiert der ehemalige Trainer: „Es funktioniert einfach.“

Krauss selbst engagiert sich mittlerweile im Nachwuchsbereich. „Ich betreue intensiv talentierte Nachwuchs-Fußballer“, wobei er „viel auf Achse“ sei. Zudem gehört er zum Team von Gerd vom Bruch und dessen Sportmanagement-Agentur „Coaches & More“. Der Borussia drückt er aber nach wie vor die Daumen. „Vielleicht geht es ja tatsächlich in Richtung Titel oder in die Königsklasse“, hofft Krauss auf eine erfolgreiche Rückrunde.