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Eintracht Frankfurt

Heimpremiere geglückt: 3 Lehren aus dem ersten Sieg unter Riera

Albert Riera - Trainer von Eintracht Frankfurt - an der Seitenlinie

Seit knapp zwei Wochen hat Albert Riera inzwischen das Ruder bei Eintracht Frankfurt übernommen. Nachdem es mit dem ehemaligen Erfolgstrainer Dino Toppmöller nicht mehr klappte und auch U21-Coach Dennis Schmitt keine Wende gebracht hat, ist es nun der 43-jährige Spanier, der den Adlern frischen Wind unter die Flügel bringt. Hier sind 3 Lehren aus dem Heimdebüt von Riera.

Nene Brown ist überall

Bereits bei NK Celje war der Aufbau mit Ball recht klar strukturiert. Der Linksverteidiger – bei Celje noch der 22-jährige Artemijus Tutyskinas, bei der Eintracht jetzt Nathaniel Brown – schiebt extrem hoch mit Ball, während der Rechtsverteidiger einrückt, um mit drei Mann aufzubauen. Gegen Gladbach waren es folglich dann Aurele Amenda, Robin Koch und bis zu seiner Verletzung Rasmus Kristensen. Nathaniel Brown hingegen hat die linke Seite extremst hochbelaufen. Teilweise war er schon gar nicht mehr mit in den Aufbau eingebunden, sondern interpretierte die Rolle als Flügelspieler mit beinahe maximaler Breite

Das zahlt sich aus! In den zwei Spielen unter Riera kommt Brown schon auf zwei Tore und das wird sich auch weiterhin so entwickeln. Denn um den Vergleich zwischen Browns Rolle unter Toppmöller und der unter Riera zu betrachten, braucht es nur einen kurzen Blick auf das Hinspiel zwischen der Eintracht und der Borussia. Das 5:0 war an sich von der Entstehung bis zur Vollendung ein baugleiches Tor.

Ein Außenspieler geht von der linken Seite auf die Grundlinie und legt dann in den Rückraum kurz vor dem Fünfer ab. Dann der Abschluss. In Gladbach belief Can Uzun diesen Raum und machte das Tor – im Rückspiel war es Nene Brown, der die Führung erzielte. Zwei beinahe baugleiche Tore, mit dem Unterschied, dass Brown eine viel offensivere Rolle einnimmt.

Kristensens Verletzung kommt vielleicht sogar gelegen?

Rasmus Kristensen – der Wikinger. In einer Mannschaft, die die viel besagte „Mentalität“ in der Hinrunde hat vermissen lassen, war Kristensen einer der wenigen Lichtblicke. Der Däne hat sich auf der rechten Seite schwergetan, die ohnehin schon sehr verunsicherte Defensive zu stabilisieren. Die Spezialdisziplin des 28-Jährigen war eben selten die feine Klinge, sondern eher die Wucht und Kraft, mit der er sich offensiv durchsetzen konnte. Seine Schwächen hatte er im Passspiel. Wird ihm das nun zum Verhängnis?

Denn unter Riera rückt, wie bereits zuvor gesagt, der Rechtsverteidiger mit in den Aufbau ein. Genau in den Teil, in welchem Kristensen zu oft Probleme hat. Gegen Gladbach kam er auf eine Passquote von 80 %, die schlechteste Passquote der drei aufbauenden Verteidiger. Im Vergleich dazu hatten Robin Koch (93 %) und Aurele Amenda (86 %) bessere Aktionen mit Ball. Bereits im Vorhinein gab es die Vermutung, dass die Aufgaben von Kristensen sich sehr eindeutig ändern könnten.

Allerdings sind diese Befürchtungen jetzt Schnee von gestern. Denn nach neuestem Stand wird der Rechtsverteidiger bis zum Ende der Saison keinen Einsatz mehr für die Eintracht machen. Eine Verletzung am Syndesmoseband soll er sich wohl im Spiel gegen Gladbach zugezogen haben. Das zwingt Riera dazu, neue Optionen auszuprobieren. Sollten Baum oder Collins sich im Aufbau besser beweisen, dann könnte die nächste Saison für Kristensen eine wahre Zerreißprobe bedeuten.

Ayoube Amainmouni-Echghouyab und Nathaniel Brown im Trikot von Eintracht Frankfurt
Brown und Amaimouni – sind sie die neuen Schlüsselspieler im System von Riera? Foto: Imago Images

Es braucht Unterschiedsspieler!

Ballbesitz ist wichtig, erst recht, wenn man wie Riera das gesamte Feld dominieren will. Gegen Union Berlin kam die Eintracht auf 73 % Ballbesitz, gegen Gladbach war es die Borussia, die sich zwar mehr Ballbesitz erarbeitete, allerdings daraus recht wenig machen konnte. Die Ballbesitzstaffetten und Riera sind ein Markenzeichen, aber bereits zur Zeit des Ballbesitzfußballs unter Alonso war bei Leverkusen eins klar: Es braucht Unterschiedsspieler, die sich durchsetzen und neue Aktionen generieren. Bei Leverkusen war das Florian Wirtz. Wenn das nicht der Fall ist, dann läuft die Eintracht Gefahr, wie gegen Union, rund um den Strafraum den Ball zu spielen, ohne wirklich gefährlich zu werden.

Sollte es aber der Fall sein, dann konnte man gegen Gladbach sehen, was möglich sein kann. Genau diese Rolle hat Ayoube Amaimouni-Echghouyab perfekt ausgefüllt. Bereits in Berlin lagen zwischen der Einwechslung des Marokkaners und dem Tor von Brown (Vorlage Amaimouni) keine zwei Minuten und gegen Mönchengladbach erzielte er sein zweites Bundesligator. Er ist einer dieser Unterschiedsspieler. Genauso wie Jean-Matteo Bahoya, der mit zwei Vorlagen den 3:0-Sieg maßgeblich prägte. Es sind diese trickreichen Halbraumspieler, die neue Situationen erschaffen durch Einzelaktionen.

Vom reinen Skillset her wäre auch ein Ritsu Doan in der Lage, diese Position auszufüllen. Aber bereits in der ganzen Saison lässt Doan seine Stärke, die er noch letzte Saison in Freiburg bewies, vermissen. Für den Japaner könnte die Umstellung im System von Riera von Vorteil sein, gleichzeitig könnte er aber auch schnell seinen Stammplatz verlieren. Es ist kein Zufall, dass Love Arrhov, der ebenfalls auf dieser Position steht, sein Bundesligadebüt unter Riera feierte. Er könnte die Zukunft dieser Position werden.

Riera ist bereit zu lernen

Fazit: Der Riera-Fußball trägt bereits nach zwei Wochen Früchte und das mehr als effektiv. Die Handschrift des neuen Trainers ist direkt erkennbar. Allerdings ist die Eintracht noch weit entfernt von der Topform aus der letzten Saison. Es kann festgehalten werden, dass Rieras Fußball in der Lage ist, den Frankfurtern neues Leben einzuhauchen. Auch, wenn manche Baustellen noch besser angegangen werden müssen.