FC Bayern München

Der größte Coup eines Bayern-Trainers

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60 Jahre Bundesliga – und eine Pressekonferenz wie keine andere. München, Säbener Straße, 10. März 1998. Alle warten auf Bayern-Maestro Giovanni Trapattoni (heute 83). Der italienische Star-Trainer wird eine Wut-Rede halten, die nicht nur Bundesliga-Geschichte schreibt. Sie findet in Teilen Eingang in die deutsche Alltags-Sprache.

,,Wie eine Flasche leer“, „Was erlauben Strunz?“, „Ich habe fertig“ – diese Trapattoni-Sätze haben sich ins kollektive Bewusstsein der Deutschen eingebrannt. Auch nach 25 Jahren finden sie immer wieder Verwendung. Nicht nur im Fußballjournalismus.

Wir fangen dennoch von vorne an. Der „Mister“ hat sich auf der langen Fahrt von Mailand (er wohnt bis heute in Cusano Milanino, also hinter Mailand…) nach München einige Notizen zurechtgelegt. Je näher er dem Alpenrand und der Bayern-Metropole kommt, desto entschlossener wird Trapattoni.

Sein putziges Deutsch hat ihn schon bei seinem ersten Bayern-Engagement 1994/95 („Haben die Anderen die Ball – Frage: Warum?“) zum Publikumsliebling gemacht. Nun will er dem in der für Bayern München alles andere als zufrieden stellenden Saison 1997/98 angestauten Ärger Luft machen.

8 Spickzettel bis „Ich habe fertig!“

Acht Spickzettel hat er sich für die General-Abrechnung mit seiner Mannschaft, die in dieser Saison in der Champions League an High Flyer Borussia Dortmund scheitert und die Meisterschale an den Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern abgeben muss, zurechtgelegt.

Giovanni Trapattoni legt los im Stile eines Star-Dirigenten. So, als hätte er bei Louis de Funes als Dirigent der Pariser Oper Stanislas Lefort in Die große Sause (1966) Anschauungsunterricht genommen. Und es soll Leute geben, die tun das…

„Es gibt in diese Moment in diese Mannschaft“, beginnt er praktisch im adagio, „oh, einige Spieler vergessen innen Profi, was sie sind.“ Wir wissen natürlich nicht, was uns der Maestro damit sagen wollte, aber vermutlich ging es um die Einstellung bei den Bayern. Dass sein Team nicht offensiv gespielt hat in den letzten Wochen, will Trapattoni so nicht stehen lassen: „Letzte Spiel hatten wir in Platz drei Spitzen: Élber, Jancker und dann Zickler. Wir mussen nicht vergessen Zickler. Er ist auch eine Offensiv. E mehr Mehmet e mehr Basler. Ist klar diese Wörter, ist möglich verstehen, was ich sage gesagt?“

Ist klar! Doch dann explodiert der Italo-Vulkan. Crescendo! „Ein Trainer nicht ein Idiot! Ein Trainer sehen, zeigen, was passieren in Platz!“ Er richtet sich an die staunenden Journalisten, die mit so einem Vivace sicherlich nicht gerechnet hatten: „Haben Sie gesehen Mittwoch, welche Mannschaft hat gespielt Mittwoch? Hat gespielt Mehmet, oder gespielt Basler, oder gespielt Trapattoni? Diese Spieler beklagen mehr als spielen!“

Dreieinhalb Minuten lang donnert „Il Trap“ von der Kanzel. Unvergessen: „Strunz! Was erlauben Strunz?“ oder „Es waren zwei, drei oder vier Spieler, die waren schwach wie eine Flasche leer!“

335 Wörter in dreieinhalb Minuten

Die legendärste Wut-Rede der Bundesliga-Geschichte umfasste

  • 335 Wörter, darunter den stilprägenden Schlusssatz „Ich habe fertig“,
  • 20 Namen, 23 Verben, 32 Substantive und 17 Adjektive.

Dann ist das Donnerwetter vorbei. Trapattoni verlässt das Podium, dreht sich noch einmal um und sagt: „Wenn jemand fragt, Ich kann Worte wiederholen!“

Das tat er nicht. Aber er meldete sich 2005 beim VfB Stuttgart stilecht zurück: „Hallo! Ich e wieder da.“ 

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