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Hamburger SV

Aufreger nach Derby: Warum Vušković gegen Pauli-Fans wetterte

Sportlich konnte das Hamburger Stadtderby am Freitagabend wenig begeistern: Der Hamburger SV und St. Pauli trennten sich nach zähen 90 Minuten torlos. Nach der Partie wurde es trotzdem hitzig, nachdem einige St.-Pauli-Fans HSV-Verteidiger Luka Vušković in Rage gebracht hatten.

Vušković wütend: St.-Pauli-Fans „respektlos“

„Es wird sicher kein Derby, das lange in Erinnerung bleiben wird“, kommentierte HSV-Trainer Merlin Polzin das ereignisarme Unentschieden am Millerntor. Seine Mannschaft kontrollierte das Geschehen zwar weitestgehend, konnte dies aber nicht in Tore ummünzen. Innenverteidiger Luka Vušković hatte in der 54. Minute die wohl beste Chance zur Führung, scheiterte mit seinem Kopfball aus vier Metern aber an St.-Pauli-Torwart Nikola Vasilj.

Der 18-Jährige gehörte insgesamt zu den auffälligsten Akteuren auf dem Platz, sorgte aber vor allem nach dem Abpfiff für Aufregung. Am „Sky“-Mikrofon wetterte der Kroate gegen die Anhänger des Stadtrivalen und wurde sehr deutlich. „Ich weiß nicht, was sich die Fans von St. Pauli denken.“ Diese sollen seinen Bruder Mario beleidigt haben, der wegen Epo-Dopings bis Mitte November 2026 gesperrt ist. Zudem zeigten einige Pauli-Fans unter anderem ein Banner mit der Aufschrift: „Mach‘ ne Handwerkslehre, Mario #44!.“ „Es ist respektlos, meine Familie und meinen Bruder anzugreifen. Ich habe nichts Gutes über diese Fans zu sagen“, reagierte der jüngere Vušković.

Polzin verteidigt Kabinen-Eklat und Finger-Geste

Auch nach dem Interview verschaffte der Defensivspieler seinen Unmut Luft, als er den Heimfans auf dem Weg in die Kabine zum Schweigen aufforderte. Vušković legte seinen rechten Zeigefinger auf die Lippen und musste von seinen Mannschaftskollegen beruhigt werden. Doch auch im Kabinentrakt bestimmte sein Gemüt das Geschehen. Der HSV-Verteidiger soll ausgespuckt und sich anschließend ein lautstarkes Wortgefecht mit Karol Mets geliefert haben. Der St. Pauli-Profi schrie seinem Gegner offenbar „So etwas habe ich nie zuvor erlebt und gesehen“ entgegen und konnte dessen Wut nicht ganz nachvollziehen.

Anders sah es HSV-Trainer Merlin Polzin, der Vušković nach dem Spiel in Schutz nahm. „Das ist ein sehr wichtiges Thema. Wir reden über einen 18-jährigen Menschen, er trägt sehr viel Last auf seinen Schultern für das, was mit Mario passiert ist“, sagte der Übungsleiter und zeigte Verständnis für den Aufreger, den er als „extrem nachvollziehbar“ empfand. Wie das sportliche Geschehen – das aufgrund des eher glanzlosen Spielverlaufs wohl kaum im Gedächtnis bleiben wird – solle auch der Eklat nach Abpfiff schnell in Vergessenheit geraten. „Das ist ein Moment, den wir schnellstmöglich korrigieren sollten, damit so etwas nicht wieder vorkommt“, forderte der 35-Jährige.

Vušković drohen wohl keine Konsequenzen

Solche Sprüche und Gesten hätten schließlich „nichts mit dem zu tun, wofür nicht nur beide Vereine und die Stadt Hamburg als weltoffene Stadt stehen sollten“, so Polzin. Der HSV-Trainer machte den Heimfans jedoch keinen allzu großen Vorwurf und betonte auch, dass der FC St. Pauli und seine Fans „normalerweise“ den Grundsatz verkörpern, „dass solche Themen sensibel behandelt werden und man Verständnis füreinander hat.“

Luka Vušković hat nach seinem Eklat voraussichtlich keine Konsequenzen zu befürchten und dürfte auch nächste Woche Samstag (18:30 Uhr) gegen den Ligaprimus FC Bayern in der Startelf stehen. Sein Bruder Mario bekam die Kommentare einiger St.-Pauli-Anhänger am Freitagabend nicht mit. Der 24-Jährige trainiert derzeit in seiner kroatischen Heimat, „um noch stärker zurückzukommen.“

Der Verteidiger, derzeit offiziell vereinslos, darf ab dem 15. November 2026 wieder Pflichtspiele bestreiten. Bereits zwei Monate früher darf er nach vier Jahren Abstinenz wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Der Hamburger SV hatte angekündigt, ihn nach Ablauf seiner Sperre wieder mit einem Profivertrag auszustatten.