Medienbericht: Vorwurf gegen Kuntz sorgte für HSV-Aus

Es war die Überraschung, als Stefan Kuntz als Sportvorstand beim HSV seinen Posten räumte. Als Grund wurden „persönliche familiäre Gründe“ genannt, doch eine Recherche der BILD enthüllte dem wahren Grund hinter dem Aus.
Schwerwiegender Vorwurf gegen Kuntz
Dem Blatt zufolge, sollen Vorwürfe von HSV-Mitarbeiterinnen gegen Kuntz offenbar zur Vertragsauflösung geführt haben. Demnach werfen sie dem 63-Jährigen sexuelle Belästigung vor, die wohl so weit ging, dass eine der Frauen durch Aussagen des Fußball-Managers das Gefühl hatte, zum Oralverkehr gedrängt worden zu sein. Dabei schilderte die Frau ein Verhalten, das sie als verbale sexuelle Belästigung und als unangemessen empfand. Drei weitere Personen sollen dies unabhängig voneinander bestätigt haben.
Nach Informationen der BILD reagierte der Aufsichtsrat unmittelbar, schaltete eine externe Anwaltskanzlei ein und ließ die Vorwürfe prüfen. In Gesprächen mit den Juristen nannte die erste Betroffene eine weitere Mitarbeiterin, die ähnliche Erfahrungen mit Kuntz gemacht haben soll. Auch sie wurde befragt – und laut Vereinsumfeld stuften die Anwälte beide Aussagen als glaubwürdig ein. Inzwischen sollen sogar weitere mögliche Betroffene bekannt sein.
Kurios: Anzeige gegen Unbekannt
In der Woche vor dem letzten HSV‑Spiel des Jahres wurde Kuntz schließlich vom Aufsichtsrat in seinem Büro aufgesucht und mit den Vorwürfen konfrontiert. Kuntz soll zunächst angekündigt haben, gegenüber dem Gremium Stellung zu beziehen. Dazu kam es jedoch nicht mehr. Ein geplanter Termin sei laut Vereinsseite durch seinen Anwalt abgesagt worden. Aus dem Umfeld des Managers heißt es dagegen, er habe „nie die Gelegenheit zur Stellungnahme bekommen“.
Kurios ist ein Vorgang, der sich nur wenige Tage nach der ersten Meldung ereignet haben soll: Kuntz stellte Anzeige gegen Unbekannt wegen Stalkings. Er habe seit Juli anonyme Nachrichten erhalten, die ihn zunehmend beunruhigt hätten. Auf konkrete Fragen zu den Vorwürfen reagierte Kuntz nicht. Über seinen Anwalt ließ er lediglich mitteilen, er habe den HSV „aus persönlichen familiären Gründen um eine kurzfristige Vertragsbeendigung gebeten.“
„Verleumdungskampagne“?
Aus seinem Umfeld wird zudem von einer „Verleumdungskampagne“ gesprochen. Eine Aufforderung zum Oralverkehr habe es nicht gegeben, heißt es dort. Vielmehr gehe es um finanzielle Motive: Durch den Aufhebungsvertrag spare der Verein einen Millionenbetrag, da sich Kuntz’ Vertragskonditionen nach dem Bundesliga‑Aufstieg deutlich verbessert hätten.
Die internen Untersuchungen laufen laut der BILD weiter. Eine Hamburger Kanzlei prüft mögliche Compliance‑Verstöße. Ob es ausschließlich um das Verhalten gegenüber Mitarbeiterinnen geht oder weitere Aspekte eine Rolle spielen, ist offen. Vom HSV gab es ein kurzes Statement, was aber ebenfalls auf die bereits genannten Gründe der Vertragsauflösung hinwies: „Der Aufsichtsrat kann das Interesse an dem vorzeitigen Ausstieg von Stefan Kuntz als Sportvorstand sehr gut nachvollziehen.“ Und: „Es handelt sich hier um ausschließlich interne Vorgänge, die wir schon aus Gründen des Schutzes von Persönlichkeitsrechten nicht öffentlich erörtern möchten.“



