Foto: NORBERTO DUARTE/AFP via Getty Images
Im American Football und anderen Kontaktsportarten ist schon längere Zeit das Usus, was inzwischen auch viele Fußballfans in ihrer Lieblingssportart fordern: ein sensibler Umgang mit Kopfverletzungen. Regelmäßig dürfen Fußballspieler, die nach einem Zusammenstoß benommen wirken, das Feld nach kurzer Behandlung wieder betreten. Das IFAB (International Football Assosciation Board), welches sich mit den Regeln des Fußballs beschäftigt, ist Willens zur besseren Versorgung der Spieler eine Neuerung einzuführen: die Auswechslung auf Zeit.
Seit Jahren fordern Ärzte, Fans und Verantwortliche einen besonneneren, sensibleren Umgang mit Kopfverletzungen im Fußball. Ob Christoph Kramer im WM-Finale 2014, Loris Karius im CL-Finale 2018 oder eines der zahlreichen anderen Beispiele: Kopfverletzungen werden derzeit noch nicht ernst genug genommen. Nicht selten spielen Spieler eine Partie nach Zusammenstößen halb benommen weiter oder gar zu Ende und versuchen ihre Mannschaft nicht im Stich zu lassen, während sie ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen. Oftmals sogar, obwohl sie zuvor vom Mannschaftsarzt untersucht wurden.
Diesem Treiben will das IFAB nun ein Ende setzen. Sprecher Lukas Brud bestätigte gegenüber „SportBild“ entsprechende Planungen zur Einführung einer Auswechslung auf Zeit. „Wir nehmen das Thema Kopfverletzungen sehr ernst, wollen keine Zeit verlieren. Im Vordergrund steht sicherlich der Schutz der Spieler“, erklärt er. Bei der aktuellen Testmethode, dem SCAT-5-Test, dauert die Feststellung einer Gehirnerschütterung zehn Minuten. So lange müsste das betroffene Team dann in Unterzahl spielen. Deswegen verzichten viele Klubs darauf.
Das IFAB überlegt für diesen Zeitraum eine temporäre Einwechslung einzuführen. Diese soll, unabhängig vom normalen Kontingent von drei Wechseln, immer zur Verfügung stehen. Allerdings, so Brud, sei das Thema zu komplex, um auf die Schnelle zu entscheiden, ob dies die richtige Neuerung sei. Deswegen wird bei der nächsten IFAB-Generalversammlung Anfang Dezember eine Expertengruppe eingerichtet, die der Regelkommision bei der Jahreshauptversammlung gegen Ende Februar oder Anfang März 2020 eine Reihe an Vorschlägen machen wird.
Eine der wichtigsten Aufgaben der Regelkommision wird es sein eine Neuerung einzuführen, die von Trainern und Mannschaften nicht als weitere Wechseloption missbraucht werden kann. Als mögliche Option hierfür schlägt die „SportBild“ einen neutralen Arzt an der Seitenlinie vor, welcher über die Kopfverletzung entscheiden soll. Aus den bisherigen Sitzungen der IFAB-Beratungsgremien hätten sich laut Brud schon einige elementare Fragen ergeben. So wird beispielsweise eine schnellere Alternative für den SCAT-5-Test gesucht. Gibt es diese, wäre eine Auswechslung des Spielers unumgänglich und eine temporäre Einwechslung nicht mehr notwendig. Es bleibt abzuwarten, ob und wie das IFAB eine Änderung implementiert.
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