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Fenerbahçes Max Kruse begeistert Christoph Daum: „Integrationssignal gesetzt“

Mit seinem Wechsel in die Türkei erregte Max Kruse im Sommer Aufsehen. Überraschend war die Entscheidung allerdings nicht, schließlich hatten keinerlei Top-Klubs Intereresse an dem 31-Jährigen gezeigt. Obwohl er für Fenerbahçe bislang noch kein einziges Mal einnetzen konnte, ist man mit seinen Leistungen mehr als zufrieden. Christoph Daum, der sich am Bosporus nach wie vor großer Beliebtheit erfreut, kennt die Gründe.

„Genau der Mann, den sie brauchen“

„Er scheint genau der richtige Mann zu sein, genau der Spieler, den sie brauchen“, sagt Daum im Gespräch mit der „Sport Bild“. Der 65-Jährige war als Trainer für Beşiktaş und Fenerbahçe tätig und ist ein Fachmann des türkischen Fußballs. „Kruse ist Taktgeber, als offensiver Mittelfeldspieler der verlängerte Arm des Trainers. Er setzt die Dinge, die Ersun Yanal von ihm fordert, ganz toll um und glänzt als Vorbereiter“. Nach sieben Spielen kann Kruse bereits fünf Assists für sich verbuchen, ein Treffer blieb ihm bislang verwehrt.

Besonderes Aufsehen erregte der langjährige Bundesliga-Spieler zuletzt damit, dass er vor dem Derby gegen Galatasaray im Beisein von über 50.000 Zuschauern die türkische Nationalhymne mitsang. „Eine ganz tolle Geste, die Max da an den Tag legt“, so Daum. Neuzugang Kruse, der in Deutschland für Borussia Mönchengladbach, den SC Freiburg, St. Pauli, Werder Bremen und den VfL Wolfsburg auflief, habe damit „ein bedeutendes Integrationssignal gesetzt“. Was in Deutschland nur schwer vorstellbar wäre, ist in der Türkei gang und gäbe. „Vor jedem SüperLig-Spiel wird der İstiklal Marşı gespielt und auch entsprechend mitgesungen“, erklärt Daum den dortigen Umgang mit der Nationalhymne, die als Unabhängigkeitsmarsch bezeichnet wird. „Es geht nicht nur darum, dass die Türkei Spieler integriert, sonders dass der Spieler auch von sich aus Dinge unternimmt, um sich zu integrieren.“

Foto: OLIVER HARDT/AFP/Getty Images

Daum bekommt „andauernd Anfragen“

„Die Nationalhymne hat eine besondere Bedeutung für die Türken, daher habe ich versucht, sie zu lernen“, erzählte Kruse, der sich in Istanbul sehr wohl fühle, laut „NDR“ hinterher. Während seiner Trainer-Tätigkeiten habe auch Daum „sehr schnell verstanden, welche immense Beudeutung das gemeinsame Singen für die Menschen hat. Es sorgt für Zusammenhalt“. Wenn dann wie Kruse „ein ausländischer Spieler diese Hymne mitsingt, ist das ein symbolischer Akt. Und die Leute denken: ‚Menschenskinder. Der ist einer von uns.‘ Das trägt natürlich zur Wertschätzung dieser Person maßgeblich bei“. Dementsprechend hatte sich Daum „als ich 1993 erstmals Trainer bei Beşiktaş wurde, gleich den Text und die entsprechende Musik dazu besorgt“.

Um die sportliche Situation bei Fenerbahce und in der Türkei generell sei es derzeit jedoch nicht gut allzu bestellt, „da aktuell sehr viele durchschnittliche ausländische Spieler am Ball sind“. Daum wünscht sich, dass die Klubs mehr auf türkische Spieler setzen und die Trainer mehr Zeit bekommen würden. „Ich bekomme andauernd Anfragen“, schließt er ein erneutes Engagement in der Türkei allerdings nicht aus. Doch „nur einer der drei großen Klubs“, Beşiktaş, Fenerbahçe oder Galatasaray, käme für ihn infrage. „Die Türkei kann ganz kurzfristig, auch innerhalb von 24 Stunden, immer eine Alternative für mich sein.“