TSG 1899 Hoffenheim

Adventskalendar Törchen 8 – Hoffenheims Sensationshinrunde nach dem Aufstieg 2008

Elf Siege, 42 Tore und Herbstmeisterschaft: In der ersten Saison nach dem Aufstieg spielte die TSG 1899 Hoffenheim eine der besten Hinrunden eines Bundesliganeulings. Dabei zeichneten sich die Kraichgauer vor allem durch fulminanten Offensivfußball aus. Einige trauten dem Aufsteiger sogar den ganz großen Coup Meisterschaft zu. Wie es dazu kam? Ein Rückblick.

Vom Dorfverein zum Bundesligisten

Als sich Dietmar Hopp 1990 dazu entscheidet, seinem Heimatverein finanziell unter die Arme zu greifen, spielt die TSG Hoffenheim noch in der Kreisliga Sinsheim. Mit Hilfe der Investitionen des SAP-Mitbegründers steigt der nun Mäzenverein in den beiden darauffolgenden Jahren erst in die Bezirks- und dann in die Landesliga auf. 15 Jahre und fünf Aufstiege später ist die TSG sogar schon in der zweithöchsten deutschen Spielklasse angelangt. Hopp hat sich ein Fußballimperium im Nordwesten Baden-Württembergs aufgebaut.

Mit dem zunächst viertkleinsten Kadermarktwert starten die Hoffenheimer in die Saison 2007/08. Dennoch stellte sich recht schnell heraus: Die TSG kann Anschluss an die Aufstiegsplätze halten. Mit nur acht Punkten Rückstand auf den direkten Aufstiegsplatz Drei entscheidet sich Dietmar Hopp eine große Transferoffensive zu starten. Für insgesamt 16 Millionen Euro verpflichteten die Kraichgauer Carlos Eduardo, Chinedu Obasi, Demba Ba und Vedad Ibisevic. Bis heute ist Eduardo der zweitteuerste Neuzugang eines deutschen Zweitligisten. Mit dementsprechenden Ansprüchen gewann Hoffenheim die ersten sieben Spiele der Rückrunde und schob sich erstmals auf einen Aufstiegsplatz vor. Am 34. Spieltag machte das Team des damaligen Trainers Ralf Rangnick den Aufstieg schließlich mit einem 5:0-Sieg gegen Greuther Fürth klar.

Ralf Rangnick verpasst Hoffenheim eine Identität

Ralf Rangnick hatte es nach und nach geschafft, seinem Team eine fußballerische Identität zu verpassen. Als er 2006 den damaligen Regionalligaverein (heutige 3. Liga) übernahm, hatte der Fußballlehrer aus dem Stuttgarter Raum bereits einiges an Bundesliga- und Champions League-Erfahrung gesammelt. Seine vorherigen Trainerstationen hießen VfB Stuttgart, Hannover 96 und FC Schalke 04.

Zunächst setzte er mit Sportdirektor Bernhard Peters und Manager Jan Schindelmeiser vor allem auf die Nachwuchsförderung und junge Talente in der Mannschaft. Damit schaffte Rangnick gleich im ersten Jahr den Aufstieg in die 2. Liga. Mit der Wintertransferoffensive 2008 änderte sich die Philosophie dann jedoch grundlegend. Die Offensive wurde komplett umgekrempelt und sollte zum Aushängeschild der neuen TSG werden.

Angriffslustige Hoffenheimer starten furios

Eben diese Offensive um Vedad Ibisievic, Demba Ba und Chinedu Obasi zeigte dann in der Hinrunde 2008/09, dass sie so richtig Lust auf Toreschießen hatten. 31 Tore erzielte das Trio bis zur Winterpause. Ibisevic führte die Torjägerliste der Bundesliga mit 18 Toren an. Mit 42 Treffern insgesamt stellten die Hoffenheimer sogar den besten Angriff eines Bundesligaaufsteigers jemals.

Gleich das erste Spiel der Saison gewann die TSG mit 3:0 bei Energie Cottbus. Zusammen mit dem punkt- und torgleichen FC Schalke 04 übernahm Hoffenheim damit die Tabellenführung der Bundesliga. Nach dem 2. Spieltag und einem 1:0-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach stand der Bundesligadebütant dann sogar alleine an der Tabellenspitze. Das Spiel gegen Gladbach fand damals noch im Carl-Benz-Stadion Mannheim statt. Mäzen Hopp hatte zwar bereits im Vorjahr den Neubau eines Stadions in Sinsheim in die Wege geleitet, aber das konnte erst zur Rückrunde fertiggestellt werden. Trotzdem schien sich die TSG in Mannheim nicht fremd zu fühlen. Kein einziges “Heimspiel” in Mannheim verloren die Kraichgauer.

Erfolg hält nur bis zur Winterpause

Bis zum 15. Spieltag erarbeitete Hoffenheim sich eine Drei-Punkte-Führung auf den FC Bayern. Dann sollte es zum direkten Aufeinandertreffen in der Allianz Arena kommen. Hoffenheim hatte inzwischen auch international so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, dass mehr als 150 Länder das Spitzenspiel live im Fernsehen übertrugen. Obwohl die Hoffenheimer frech aufspielten, verloren sie das Gastspiel bei den Bayern jedoch mit 1:2. Trotzdem behielten sie die Tabellenführung aufgrund des besseren Torverhältnisses. Und auch am 17. Spieltag konnten die Münchener nicht mehr an der TSG vorbeiziehen, sodass Hoffenheim die fulminanten Hinrunde mit der Herbstmeisterschaft krönte.

Zur Rückrunde sollte sich dann alles ändern. Hoffenheim zog in die Rhein-Neckar-Arena nach Sinsheim um und ließ in der Folge den sportlichen Erfolg vermissen. Toptorjäger Vedad Ibisevic riss sich das Kreuzband und fiel lange aus. Zudem schlug keiner der Winterneuzugänge wirklich ein und so holte die TSG nur noch 20 Punkte in der Rückrunde. Eher die Bilanz eines Vereins, der um den Klassenerhalt kämpft. Schließlich schlossen Rangnick und seine Mannschaft die Saison auf einem dennoch respektablen siebten Platz ab. Eine Leistung, die dem ehemaligen Dorfverein vor der Saison wohl keiner zugetraut hatte.

Hoffenheim nach der Saison 2008/09 bis heute

Die Talfahrt der Hoffenheimer setzte sich in der Folge fort und gipfelte in der Relegation 2012/13, wo Markus Gisdol den Verein gerade noch vor dem Abstieg rettete. Nach einigen Jahren Mittelmaß übernahm dann ein gewisser Julian Nagelsmann im Februar 2016 die TSG. Er führte sie zum erneuten Klassenerhalt und in den beiden darauffolgenden Saisons zu Platz vier und drei. Inzwischen gilt der Verein von Dietmar Hopp zu den etablierten Bundesligavereinen und den alljährigen Anwärtern auf die Europapokalplätze.

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