Bundesliga

„Nicht zwingend genug“: HSV und St. Pauli hadern nach Derby

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Viel Intensität, viele Zweikämpfe, aber keine Tore: Das Stadtderby zwischen dem FC St. Pauli und dem Hamburger SV endete mit einem zähen 0:0. Nach Abpfiff stand weniger der Spielverlauf als vielmehr die gemeinsame Erkenntnis im Vordergrund, dass beide Teams deutlich mehr aus ihren Phasen der Kontrolle hätten machen müssen.

Stimmen zum Hamburg-Derby: HSV „die bessere Mannschaft“

Aus Sicht des HSV überwog trotz des Unentschiedens die Enttäuschung. Torhüter Daniel Heuer Fernandes sah sein Team insgesamt im Vorteil. „Wir waren in meinen Augen die bessere Mannschaft: stabil, kontrolliert und mit ein paar Chancen“, sagte der Schlussmann. Gleichzeitig machte er den entscheidenden Knackpunkt aus: „Leider waren wir im letzten Drittel nicht zwingend genug. Am Ende ist ein Punkt zu wenig, weil wir heute natürlich den Sieg wollten.“

Ähnlich fiel die Analyse von Nicolai Remberg aus, der vor allem auf die erste Halbzeit verwies. „Wir hatten klar die Spielkontrolle, haben uns vorn aber wie zuletzt gegen Gladbach wieder nicht belohnt“, erklärte er. Wieder habe es an den entscheidenden Details gefehlt: „Uns fehlt der letzte Pass sowie die klare Entscheidung und Überzeugung vor dem Tor. Es müsste einfach mal ein Ball durchrutschen.“ Trotz allem ordnete der 25-Jährige das Ergebnis ein: „Nach der ersten Halbzeit ist ein Zähler ein Tick zu wenig für uns, aber letztlich ist das 0:0 wohl ein gerechtes Ergebnis.“

Wohlwissend, dass die 18. Auflage des Stadtderbys in der Bundesliga an diesem Abend seinem Namen und seiner Prestige nicht gerecht wurde. „Für die Zuschauer war es vielleicht langweilig. Aber hier bei St. Pauli einen Punkt zu holen, das ist auch nicht schlecht“, resümierte Remberg.

Polzin froh über „stabilen Auftritt“, enttäuscht mit Ergebnis

Auch Innenverteidiger Luka Vušković war hin und hergerissen. „Hier auswärts einen Punkt zu holen, ist in Ordnung“, sagte der Innenverteidiger, ergänzte jedoch: „Wir sind enttäuscht, weil wir heute über weite Phasen ein gutes Spiel gemacht haben und somit auch drei Punkte verdient gehabt hätten.“ Mit Blick auf seine eigene Chance räumte er ein: „Bei meinem Kopfball hat ein wenig gefehlt.“ Der Kroate hatte in der 54. Minute die einzig richtige Chance für den HSV, doch Pauli-Keeper Nikola Vasilj konnte seinen Abschluss aus vier Metern entschärfen.

HSV-Trainer Merlin Polzin sprach von einem „kontrollierten“ Auftritt, der zwar stabil, aber nicht konsequent genug war. „Wir haben einen guten Start erwischt, mit viel Spielkontrolle und Dominanz am Ball“, sagte er. Dass es dennoch kein Tor gab, führte Polzin nicht nur auf die eigenen Defizite zurück: „Es lag auch an St. Paulis guter Art zu verteidigen.“ Dennoch blieb Selbstkritik: „Bei Kontern hätten wir gerade in Spielen wie heute zwingender sein müssen. Das ärgert mich sehr.“

Der 35-Jährige habe jedoch „selten so einen Auftritt einer Hamburger Mannschaft hier gesehen, was die Kontrolle und die Unbekümmertheit angeht, das Ding hier locker herunterzuspielen.“ Seine Mannschaft hätte trotzdem mehr aus ihren Chancen herausholen müssen. Was das Ergebnis angeht, sind wir deswegen heute enttäuscht“, so Polzin. Trotz der Unzufriedenheit mit dem Ergebnis betonte er: „Für unseren Prozess war es ein stabiler Auftritt.“

Schwache erste Halbzeit: St.-Pauli-Coach Blessin „sauer“

Deutlich kritischer fiel das Fazit von St.-Pauli-Trainer Alexander Blessin aus. „In der Summe war es zu wenig von uns, und das enttäuscht mich“, sagte der Trainer offen. Mehr noch: „Ich bin sauer, weil das Spiel nicht gut war. In der Summe ist heute zu wenig von uns gekommen.“ Die Kernkritik konnte er auf drei Hauptpunkte herunterbrechen: „Zu inaktiv, zu langsam, wir sind nicht gut nachgerückt, die zweiten Bälle waren jeweils immer beim Gegner.“ Besonders der erste Durchgang habe ihm missfallen: „Ich hatte das Gefühl, der HSV wollte nicht und wir konnten nicht. Wir haben nur reagiert und nicht agiert.“

In den ersten 45 Minuten agierten die Kiezkicker zu passiv und verloren die meisten ihrer Zweikämpfe. Zwar hatte sein Team im weiteren Verlauf bessere Chancen, doch Blessin monierte: „Wir waren zu fahrlässig.“ Insgesamt sind „große Aktionen nach vorne“ ausgeblieben. Am Ende bleibe jedoch ein Punkt, mit dem man „zufrieden“ sein müsse und dessen Wert sich noch zeigen kann: „Wir wissen nicht, wie wertvoll dieser noch sein kann.“ Obwohl der Punktgewinn im Hamburg-Derby den ersten im neuen Jahr markiert, täuscht er über die blasse Leistung hinweg.

„Für ein Derby ist es einfach zu wenig“, wurde Blessin gegenüber „Sky“ deutlich. Dennoch sei es in seinen Augen „kein Rückschritt“ gewesen, „aber da hätte ich mehr erwartet von meiner Mannschaft.“ Die nächste schwierige Aufgabe wartet am Dienstagabend (20:30 Uhr). Im Nachholspiel gegen RB Leipzig erwartet Blessin „wieder mehr Bereitschaft.“

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