Europa League

Lazio Rom im Porträt – Der härteste Brocken für Eintracht Frankfurt

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Nach dem 2:1-Auftaktsieg in Marseille empfängt Eintracht Frankfurt in der Europa League am 2. Spieltag der Gruppe H nun Lazio Rom. In der Serie A steht der italienische Traditionsklub nach sieben Spielen mit zwölf Punkten derzeit auf einem soliden sechsten Platz. Im Derby della Capitale musste man gegen den AS Rom allerdings unlängst eine 1:3-Schlappe hinnehmen. Zuvor unterlag man mit Neapel (1:2) und Juventus (0:2) nur den beiden italienischen Topteams der vergangenen Jahre. Das erste Spiel in der Europa League konnte Lazio gegen Apollon Limassol aus Zypern mit 2:1 jedoch unaufgeregt für sich entscheiden. In Frankfurt könnte das Team um den Ex-Dortmunder Ciro Immobile nun einen großen Schritt in Richtung Zwischenrunde machen.

Inzaghis Lazio steht für Konstanz

Gegen den SSC Neapel und bei Juventus Turin war für Lazio Rom erwartungsgemäß nichts zu holen. Im italienischen Fußball gehören die Biancocelesti (die Weiß-Himmelblauen; Anm.) dennoch seit Jahren zu den konstantesten Erscheinungen. So stand man am Saisonende zuletzt achtmal in Folge unter den ersten zehn der Tabelle, davon fünfmal mindestens auf Platz fünf. Der aktuelle Trainer Simone Inzaghi ist der jüngere Bruder des langjährigen Milan-Stürmers Filippo “Pippo” Inzaghi, der zurzeit den Ligakonkurrenten FC Bologna trainiert.

Der 42-Jährige ist seit 2016 im Amt und führte Lazio zuletzt zweimal auf eben jenen fünften Rang, welcher zur Teilnahme an der Europa League berechtigt. Obwohl die letzte der bislang fünf Champions-League-Teilnahmen bereits elf Jahre zurückliegt, ist man in den letzten Jahren auf der internationalen Bühne somit quasi Stammgast. In der vergangenen Europa-League-Saison war Lazio aus einer Gruppe mit OGC Nizza, Zulte Waregem und Vitesse Arnheim als Gruppenerster hervorgegangen. In der K.O.-Runde hatte man anschließend Steaua Bukarest und Dynamo Kiew ausgeschaltet, ehe man im Viertelfinale RB Salzburg unterlag.

Top-Favorit in Frankfurts Gruppe H

Überhaupt gehört Lazio nicht nur aufgrund von zwei Meisterschaften und sechs Pokalsiegen in Italien zu den klangvollen Namen. So gewann man 1999 auch den Europapokal der Pokalsieger, einen Vorgänger-Wettbewerb der Europa League. Der letzte Meistertitel datiert derweil aus dem Jahr 2000 und dürfte sich wegen der Dominanz von Juventus vorerst nicht wiederholen. Über den nationalen Pokalgewinn konnten die Laziali allerdings erst 2013 jubeln.

Lazios Kader hat derzeit einen Marktwert von fast 340 Millionen Euro – in der Gruppe H kann da keiner mithalten. Olympique Marseille kommt auf knapp 260 Millionen Euro, während Frankfurt bei circa 150 Millionen Euro steht. Wenig überraschend ist Außenseiter Apollon Limassol (15 Millionen Euro) in diesem Ranking weit abgeschlagen. Die Schlüsselspieler der Italiener sind Sergej Milinkovic-Savic und der in Deutschland durch sein unglückliches Bundesliga-Intermezzo bei Borussia Dortmund bekannte Ciro Immobile.

Immobile in der Form seines Lebens

Der 23-jährige Milinkovic-Savic gehört zu den begehrtesten Talenten im europäischen Fußball. Der Marktwert des serbischen Nationalspielers wird auf 90 Millionen Euro taxiert, bei Lazio gehört der 1,91 Meter große Mittelfeldmann zu den absoluten Leistungsträgern. Ciro Immobile wurde in der letzten Saison nicht nur mit 29 Toren Torschützenkönig in der Serie A, sondern war bei seinen neun Einsätzen mit acht Treffern auch in der Europa League der erfolgreichste Torjäger.

In der Offensive der Biancocelesti ist der 28-Jährige Mittelstürmer (Marktwert 50 Millionen Euro) der unumstrittene Fixpunkt. In der laufenden Spielzeit hat er in sieben Ligaspielen bislang vier mal getroffen und auch gegen Limassol ein Tor beigesteuert. Zusammengerechnet haben Milinkovic-Savic und Immobile einen Marktwert von 140 Millionen Euro. Damit sind sie gemeinsam fast so viel wert wie der komplette Kader der Frankfurter.

Lazios breiter Kader lässt Rotation zu

Von den beiden Superstars abgesehen verfügt Lazio über ein stabiles Grundgerüst an Top-Spielern. In der Defensive sind, neben dem zuverlässigen 23-jährigen Torwart Thomas Strakosha, der vielseitige wie routinierte Ex-Juve-Profi Martin Cáceres aus Uruguay und der vor der Saison aus Sassuolo verpflichtete 30-jährige Innenverteidiger Francesco Acerbi hervorzuheben. Inzaghi ist ein Freund der Rotation, bevorzugt ein 3-5-2 und hat auf den drei Positionen im zentralen Mittelfeld die Qual der Wahl.

Neben Milinkovic-Savic setzt Inzahi hier mit dem ehemaligen italienischen Nationalspieler Marco Parolo, dem Ex-Hamburger Milan Badelj und Lucas Leiva, ehemals Liverppool, häufig auf erfahrene Spieler. Aus Sevilla neu zum Team gestoßen ist der argentinische Offensivallrounder Joaquín Correa. Um Immobile herum agiert zumeist der quirlige Luis Alberto. Wie Lucas Leiva hat auch der 26-Jährige eine Liverpooler Vergangenheit. In der vergangenen Serie-A-Saison gelangen dem Spanier in 34 Spielen elf Tore und 16 Assists.

Präsident Lotito: Königsklasse im Visier

Lazios Topstars Milinkovic-Savic und Immobile haben ihre ohnehin bis 2022 laufenden Verträge erst kürzlich um ein weiteres Jahr bis 2023 verlängert. Damit verbunden waren saftige Gehaltsaufstockungen, die sich bei einer möglichen Teilnahme an der Champions League nochmals in die Höhe schrauben würden. Federführend bei den Verhandlungen war wie gewohnt Claudio Lotito. Seit 2004 ist der einflussreiche Lazio-Präsident mittlerweile im Amt. Der Geschäftsmann sanierte den damals hochverschuldeten Klub und legte mit seinem strikten Sparkurs den Grundstein für die späteren Erfolge.

Aufgrund etlicher Skandale ist der erfolgreiche Reinigungsunternehmer allerdings nicht unumstritten. Bei den Fans gilt Lotito als machtorientiert, kriminell und korrupt. So musste er etwa aufgrund seiner Verwicklung in den Betrugsskandal Calciopoli im Jahre 2006 bereits eine viermonate Berufssperre verbüßen. Das selbsterklärte Ziel von Lotito und dem albanischen Sportdirektor Igli Tare ist klar: die Rückkehr in die Königsklasse. Außer durch eine Top-4-Platzierung in der Serie A wäre dieses kühne Vorhaben auch durch den Gewinn der Europa League realisierbar.

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