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LaLiga

Atletico Madrid und die Milliardenbewertung

Eintracht Frankfurt

Die Nachricht, dass Atletico Madrid 55 % des Vereins verkauft hat, ist nun einige Wochen alt, aber noch immer dürften sich die meisten Fußballfans fragen, wie eine Bewertung von 2,5 Milliarden Euro entstehen konnte – bei einem Club aus Madrid, der nicht das Wort „Real“ im Namen trägt.

Wir wollen hier einmal erklären, woher solche Zahlen kommen, weil man dann auch eher verstehen kann, was vielleicht auch deutschen Clubs bevorstehen könnte bzw. anderen in Europa. Die Entwicklung ist global und nicht mehr aufzuhalten, und sie dürfte den Sport für immer verändern.

Es ist nicht die Liga

Der erste Gedanke bei einem solchen Deal ist es, sich die TV-Rechte anzusehen, die Beliebtheit der Liga und bisherige Bewertungen, die andere Clubs in der Liga erreicht haben. Und genau hier kommen wir ins Staunen: Die Liga selbst hat kein Wachstum bei den TV-Rechten. Im Grunde genommen sind die TV-Einnahmen stabil, aber nicht wachsend.

Die Bewertung des Clubs, die wir sehen, liegt bei 6,5x Umsatz, was im Vergleich zu anderen ähnlichen vorherigen Deals ca. 35–40 % über dem liegt, was wir bisher gesehen haben. Wir haben hier nicht einen der zwei Giganten, Real Madrid oder den FC Barcelona, die global natürlich einen komplett anderen Fußabdruck haben. Nein, Atletico ist trotz seiner Erfolge weiterhin vor allem ein lokaler Verein.

Als keine der normalen Bewertungen und Argumente griff, musste ich tiefer nach möglichen Ursachen graben, und am Ende bleibt nur ein logischer Schluss: Apollo, der Private-Equity-Käufer, kauft hier in den eigenen Augen keinen Fußballverein und auch nicht einfach einen Sportverein, den man weiter ausbauen möchte. Nein, hier wird ein Real-Estate- und Entertainment-Deal samt einer eigenen Plattform durchgezogen, und ich erkläre euch, was ich damit meine:

Die wahren Gründe

Vorneweg: Atletico liefert durchaus Argumente für eine hohe Bewertung. Sie haben ihre Umsätze in den letzten Jahren konstant gesteigert und seit 2013 sogar verdreifacht. Der Wert des Unternehmens wurde ebenfalls verdreifacht, und das in einer noch kürzeren Zeit. Dazu kommen konstante sportliche Erfolge wie die Teilnahmen an der Champions League, die so wichtig für den kommerziellen Erfolg sind.

Doch das alles würde am Ende keine Bewertung auf dem Level eines der absolut globalen Teams rechtfertigen. Was Apollo hier wirklich kauft, ist ein Real-Estate-Deal mit potenziellem Ausbau zu einem Konsum-Vergnügungspark. Das neue Stadion ist Dreh- und Angelpunkt dieses Deals, denn das 2017 eröffnete Metropolitano kommt mit Genehmigungen rund um das Stadion im Wert von 800 Mio. Euro für Sport- und Vergnügungsstätten daher. Wir reden hier von bereits genehmigten einer Million Quadratmetern an Immobilienfläche rund um ein Stadion, das regelmäßig Champions-League-Spiele ausrichtet.

Bereits genehmigte Projekte ums Metropolitano

Um das Potenzial noch etwas zu verdeutlichen: Dies sind die bereits genehmigten Projekte rund um das Stadion, denn die Fläche, die dazu gehört, ist riesig und eben in einer großartigen und beliebten Metropole wie Madrid gelegen.

Bereits genehmigt:

  • Moderner Trainingscampus
  • Einkaufszentrum/-dorf samt Hotel
  • Unterhaltungs- und Erholungseinrichtungen (Kinos usw.)
  • Restaurants, Hospitality und Einkaufsmöglichkeiten
  • Nagelneuer Sportpark und Naherholungsgebiet
  • 6.000 Sitze großes Mini-Stadion

Und wenn das alles zu normal klingt: Es gibt noch die Genehmigung für einen Surf-Wellen-Pool. Damit wird deutlich, dass wir hier keinen Deal mit einem Investor haben, der einen Fußballverein wollte, sondern mit einem Immobilieninvestor, der einen bekannten und großen Club als Zusatzeinnahme und Besuchermagnet ansieht.

Das „moderne“ Konzept der Vereine

Wir sehen dieses Modell immer häufiger. Sportvereine sind inzwischen eine eigene Plattform, und die Eigentümer bauen diese weiter aus. Mark Cuban, der ehemalige Haupteigentümer der Dallas Mavericks, hatte nach seinem Verkauf gesagt, dass er auch raus ist, weil Sportclubs immer mehr zu Real-Estate-Deals werden – mit Shoppingzentren, Casinos und anderen Dingen rund um das Stadion. Da es ihm immer um den Sportclub selbst ging, wollte er raus.

Das beste Beispiel für solche Pläne dürfte Tottenham sein, das in seinem neuen Stadion neben der eingebauten Möglichkeit für NFL-Spiele auch eine Gokart-Bahn und Einkaufsmöglichkeiten hat und auch sonst eher Erlebnis als klassischer Stadionbesuch sein will.

Neben den „Offline“-Möglichkeiten, die solche Projekte inzwischen ermöglichen, hat vor allem das Internet und Social Media dazu beigetragen, dass Clubs zu Plattformen geworden sind, die man als eigenständiges Medium ansehen muss. War ein Verein früher auf die Berichterstattung durch Medien angewiesen, ist die Kommunikation mit den Fans inzwischen dank Social Media direkt und viel gesteuerter. 

Atleticos Follower:

  • Instagram: 17,9 Millionen
  • Facebook: 23 Millionen
  • X: ca. 1 Million
  • YouTube: 8,25 Millionen
  • LinkedIn: 92.000
  • Weibo: 2 Millionen

Die großen Clubs sind inzwischen auch Medienunternehmen, die natürlich vor allem sich selbst als Produkt promoten.

Begrenzte Optionen für Käufer

Zurück zur extremen Bewertung in diesem Deal: Wie bei anderen Dingen gilt auch hier, dass ein knappes Angebot die Preise erhöht. Schaut man sich die Rahmenbedingungen an, dann wird schnell deutlich, dass es in Europa nur ganz wenige Optionen gibt, bei denen ein Investor diese Punkte erfüllt sieht: 

  • Große globale Fanbase.
  • Konstanter sportlicher Erfolg (Top-5-Liga, Champions-League-Teilnahme).
  • Angesiedelt in einer europäischen Hauptstadt.
  • Bereits vorhandenes und sehr modernes Stadion.
  • Genug Platz und Potenzial rund um das Stadion für Events und Shopping.

Die Risiken für den Atletico-Madrid-Deal

Wer diesen Aufsatz bis hierher gelesen hat, könnte den Eindruck bekommen, dass ich diesen Deal für einen „No-Brainer“ halte, aber von dieser These möchte ich Abstand nehmen. Die Risiken sind sehr klar und eindeutig:

  1. Entfremdung: Die unersetzlichen lokalen Fans könnten auf die Barrikaden gehen. 51
  2. Sportlicher Misserfolg: Bleibt der Erfolg langfristig aus, bricht das Kartenhaus zusammen.
  3. Planbarkeit: Fußball-Einnahmen sind nicht so sicher planbar wie die eines normalen Unternehmens.
  4. Marktumfeld: Die Medienrechte der La Liga stagnieren.

Dies ist nur der Anfang einer neuen Ära

Was wir hier sehen, ist nur der Anfang. Der Sport selbst braucht dringend frisches Kapital. Es fehlt Geld, um mehr Geld zu machen, und genau diese Zwickmühle wird nicht ausreichend von Sponsoringgeldern abgedeckt.

Private Equity ist bekannt dafür, dass es gerne aggressiv eingreift und dann mit Profit weiterverkauft. Dieser Deal mit Atletico funktioniert jedoch ausschließlich als langfristig angelegte Investition. Apollo dürfte sich dabei vermutlich die großen amerikanischen Eigentümergruppen angesehen haben, wie etwa Red Bird Capital (FC Liverpool, AC Mailand), die ihr Portfolio auf maximalen Erfolg ausrichten.

Ob wir es wollen oder nicht: Unser geliebter Fußball ist ein Business, und mit diesem Deal sehen wir den Beginn einer neuen Ära in diesem Geschäft.