(Photo by Alex Livesey/Getty Images)
Bei Manchester United könnte sich im Hintergrund die nächste große Machtverschiebung anbahnen. Laut einem Bericht von Bloomberg diskutieren einzelne Mitglieder der Glazer-Familie darüber, ihren Anteil am englischen Rekordmeister ganz oder teilweise zu verkaufen. Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Einstieg der US-amerikanischen Eigentümer wäre das ein Schritt mit enormer Signalwirkung – auch wenn es bislang offenbar noch keine gemeinsame Familienlinie gibt.
Dem Bericht zufolge prüfen mehrere Anteilseigner aus der milliardenschweren Familie derzeit verschiedene Szenarien für einen Teil- oder Komplettverkauf ihrer Beteiligungen. Zunächst sollen sich die Gespräche auf Verkäufe einzelner Familienmitglieder konzentriert haben. Inzwischen geht es demnach offenbar auch darum, weitere Verwandte von einem gemeinsamen Vorgehen zu überzeugen. Eine offizielle Stellungnahme dazu blieb zunächst aus: Manchester United reagierte auf eine Reuters-Anfrage nicht unmittelbar, Vertreter der Glazers waren ebenfalls nicht direkt erreichbar.
An der Börse sorgte das Thema sofort für Bewegung. Die in New York notierte United-Aktie legte nach Bekanntwerden des Berichts im nachbörslichen Handel um rund sieben Prozent zu. Zuvor war das Papier bei 21,11 US-Dollar aus dem Handel gegangen, was den Klub laut LSEG-Daten mit etwa 3,64 Milliarden US-Dollar bewertete. Die Reaktion zeigt, wie stark der Markt auf mögliche Veränderungen in der Eigentümerstruktur am Old Trafford reagiert.
Brisant ist die Entwicklung auch deshalb, weil sie auf eine ohnehin sensible Eigentümerkonstellation trifft. Bereits vor mehr als zwei Jahren verkaufte die Glazer-Familie rund 29 Prozent des Klubs an INEOS-Chef Jim Ratcliffe, der seitdem die Kontrolle über den Fußballbereich innehat. Trotzdem halten die Glazers weiterhin die Mehrheit – und stehen bei vielen Fans seit Jahren massiv in der Kritik. Vor allem die hohe Schuldenlast, fragwürdige Transferausgaben und ausbleibende Investitionen in Stadion und Infrastruktur haben ihren Ruf beschädigt.
Ratcliffe wiederum hat seit seinem Einstieg bereits tiefgreifende Maßnahmen angestoßen, darunter Personalabbau und höhere Ticketpreise. Sportlich zeigte die Kurve zuletzt dennoch nach oben: Unter Michael Carrick schloss United die Saison auf Platz drei ab und kehrte damit erstmals seit zwei Jahren in die Champions League zurück. Ob daraus nun auch ein Wendepunkt auf Eigentümerebene wird, ist offen. Klar ist aber: Schon die bloße Debatte innerhalb der Glazer-Familie dürfte in Manchester neue Hoffnungen auf einen langfristigen Neuanfang wecken.
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