Hannover 96

Die Trainerwechsel der Abstiegskandidaten – Teil 5: Hannover 96

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Mit dem FC Augsburg wechselte in dieser Saison auch der fünfte und letzte Verein der unteren Tabellenplätze seinen Trainer. Zwischen Oktober und April kam es zu einer selten zuvor gesehenen Rotation auf den Trainerbänken der Abstiegskandidaten. Doch wie sinnvoll war die Verplflichtung von Thomas Doll für Hannover 96?

Andre Breitenreiter: Der Unermüdliche war am Ende überfordert

In der Zweitligasaison 16/17 übernahm Andre Breitenreiter das Team von Hannover 96 als Cheftrainer. Nach neun Spielen ohne Niederlage führte er das Team in die erste Liga zurück. Nach einer mittelmäßigen Saison 17/18 folgte eine katastrophale Ausbeute in der laufenden Spielzeit. Mit den zwei Unentschieden gegen die vermeintlich stärkeren Dortmunder und Bremer begann die erste Niederlagenserie. Im Jahr 2018 holte man lediglich zwei Siege. Trotz personeller Verstärkung im Sommer bemerkte man besonders das Fehlen des Abwehrchefs Salif Sané. Andre Breitenreiters Bilanz als Trainer ist mit zwei Siegen, fünf Remis und 12 Niederlagen niederschmetternd. Nach der Hinrunde stand Hannover mit lediglich zwölf Punkten auf Platz 17. 

Auch die ständig präsenten Proteste der Fans gegen Vorstandsvorsitzenden Martin Kind, disziplinarische Probleme mit einzelnen Spielern und Verletzungssorgen erschwerten Breitenreiters Arbeit. Weder Rotationen noch Systemumstellungen zeigten Wirkung in der Punkteausbeute. Neben Sportvorstand Horst Heldt wurde Breitenreiter mit seinem Trainerteam zu Beginn der Rückrunde entlassen. Der Verein sah in der personellen Neuausrichtung die einzige Chance den befürchteten Abstieg abzuwenden.

Thomas Doll: Der Rückkehrer ohne Effekt?

Hannover verstärkte sich im Winter folglich mit Nicolai Müller, Kevin Akpoguma und Mittelstürmer Jonathas. Auf der Trainerbank folgte auf Breitenreiter nach dem 19. Spieltag ein altbekannter Trainer der Bundesliga. Thomas Doll leistete nach seiner Zeit in der Bundesliga, in Saudi Arabien und in der Türkei über fünf Jahre gute Arbeit beim ungarischen erstligisten Ferencváros Budapest. 

In seinem ersten Jahr als Rückkehrer ist dem ehemaligen Trainer des HSV und BVB jedoch ein katastrophales Zwischenzeugnis auszustellen. In zehn Spielen holte der 53-jährige mit seinem Team einen Sieg und neun Niederlagen. Der vom Verein erhoffte Effekt durch den Trainerwechsel blieb aus. Die Mannschaft wirkt oft lustlos oder überfordert, nimmt den Abstiegskampf in zu vielen Spielen nicht an. Thomas Doll ist als emotionaler Trainer bekannt. Auf dem Papier ist er ein passender Coach für eine Mannschaft, die unter dem durchaus kompetenten Andre Breitenreiter das Ruder nicht mehr herumreißen konnte. 

Die schwache Chancenverwertung, fehlende Spielintelligenz und eine ständig wackelnde Defensivleistung lassen den Schluss zu, dass es egal ist, welcher Trainer auf der Bank bei den Niedersachsen sitzt. Doch unabhängig von der Situation des Vereins, ist die Mannschaftsleistung stets ein Spiegel der Trainerarbeit. Trainerwechsel sind im Abstiegskampf eine Methode zur Gewinnung neuer Impulse. Die Mannschaft scheint gerne mit dem Trainer zu arbeiten, glaubt an ihn und spricht nach außen vom Klassenerhalt. Doch auf dem Platz zeigen die Niedersachsen dies viel zu selten. Daher rückt Spieltag für Spieltag der Klassenerhalt in immer weitere Ferne.

Fazit des Trainerwechsels bei Hannover 96

Ein Trainerwechsel bei Hannover 96 war wohl unabdingbar. In einer solchen Situation ist es sowohl für den festgefahrenen Übungsleiter, als auch für den Verein einfacher sich neu aufzustellen, als mit den selben Grundsätzen neue Ergebnisse zu erwarten. Auch die Wahl von Thomas Doll als Nachfolger war durchaus sinnvoll. Die Liste der Gründe für die Krise der Niedersachsen ist lang. Daher ist der kommunizierte Verbleib von Thomas Doll im Falle des Abstiegs ebenfalls sinnig. Hannover muss auf die maximale Punkteausbeute in den letzten Spielen aus sein. Wenn die Hoffnung auf den Ligaverbleib nicht bloß leere Floskeln sind ist dies der einzige Weg die Relegation noch zu erreichen. Doch die bisherige Leistung unter Doll lässt wenig Spielraum für Spekulationen oder Träumereien. Hannover hat auch unter Doll keine Leistung gezeigt, die der ersten Liga langfristig würdig ist. Es ist dem Verein und dem Trainer zu wünschen, dass eine fast sicher kommende Zweitliga-Saison lediglich zu einem kurzen Gastspiel wird und man die sehr eigenen Pressekonferenzen von Thomas Doll auch in der Saison 20/21 wieder im deutschen Oberhaus erlebt.

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