Bayer 04 Leverkusen

Bayer-Geschäftsführer Carro: „Aufpassen, dass die Zitrone Fußball nicht zu sehr ausgepresst wird“

Am heutigen Mittwochabend startet Bayer 04 Leverkusen in die vierte Partie der UEFA Champions League-Gruppenphase. Aus den letzten drei Partien muss die Werks-Elf möglichst maximal punkten. Im Vorfeld hat sich Geschäftsführer Fernando Carro im Interview mit der „Rheinischen Post“ über die Champions League, Kai Havertz und die Bundesliga im Vergleich geäußert.

Havertz-Abgang für über 100 Millionen Euro?

Gegen Atletico Madrid muss Bayer 04 Leverkusen dringend dreifach punkten, um noch eine Chance auf eine Überwinterung im internationalen Geschäft zu haben. Dabei trifft man auch auf Youngster Joao Felix. Der offensive Mittelfeldspieler ist in diesem Jahr in aller Munde. Er gilt als das Top-Talent des Klubs, wie es Kai Havertz für Bayer gilt.

„João Félix hat Atlético Madrid 126 Millionen Euro gekostet – und Kai Havertz sehe ich keinesfalls schlechter“, spielt Carro auf eine mögliche Rekord-Ablöse in der Zukunft für den Profi an. In Leverkusen hat man sich mit dem Gedanken, die Zukunft eher ohne Kai Havertz zu planen, abgefunden. „Wir können ihm nicht das anbieten, was andere Vereine können, um mit ihm zu verlängern“, weiß der Geschäftsführer die Situation einzuordnen.

Wann genau, dieser Fall eintreten wird, bleibt spekulativ. Carro hat aber eine gewisse Erwartung: „Angesichts seiner Vertragsdauer müssen wir damit rechnen, dass er uns entweder kommenden Sommer oder in dem darauf verlässt“. Zum Havertz-Abschied wird Bayer dann aber nochmal kräftig Geld verdienen. Eine Ablöse im Bereich wie bei Felix ist nicht auszuschließen0en, auch wenn man sicherlich von der Obergrenze des möglichen spricht.

Neben dem quirligen Mittelfeldspieler Felix muss man aber auch die restlichen Stars der Madrilenen am heutigen Abend bändigen. Die Gäste haben demnach „eine beeindruckende Sieger-Mentalität entwickelt“.

Zu den spanischen Klubs hat der Geschäftsführer natürlich eine besondere Verbindung. Immerhin wurde der 55-Jährige in Barcelona geboren. Daher kann er die Unterschiede zwischen den Klubs und der gesamten Fan-Kultur gut einordnen. „In Spanien ist man flexibler, in Deutschland muss alles genau geplant sein. Ich versuche immer, den goldenen Mittelweg zu finden“, beschreibt er die mentalen Unterschiede der Kulturen.

Sportliche und kulturelle Unterscheiden zwischen Spanien und Deutschland

Während die Bundesliga in Deutschland als das höchste der Gefühle von den Fans eingeordnet wird, besitzen die internationalen Auftritte der Klubs in Spanien einen größeren Stellenwert. „Die haben Lust auf mehr internationale Spiele“, erklärt Carro. Daher kommt auch das Verlangen nach einer „Super League“ oder ähnlichem.

Und gerade dieser Fokus auf das internationale Geschäft der Spanier könnte gefährlich für den deutschen Fußball sein. Deshalb fordert Carro: „Für die Bundesliga wird es wichtig sein, Erfolge in den europäischen Wettbewerben zu verzeichnen, wenn sie denn international weiterhin dieses hohe Maß an Anerkennung behalten möchte“.

In dieser Saison könnte die Werks-Elf das wohl nur in der Europa League. Doch auch dafür muss man in der schweren Gruppe der CL noch kämpfen. Damit kommen dann in der laufenden Saison noch viele Spiele auf die Elf von Trainer Peter Bosz zu. Für Carro stellt die Anzahl der Spieler derzeit an gesundes Maximum dar. „Wir müssen gut aufpassen, dass die Zitrone Fußball nicht zu sehr ausgepresst wird“, warnt der 55-Jährige vor der Überplanung des internationalen Fußballs. Damit bezieht er sich auf Pläne der UEFA weitere internationale Spiele anzusetzen.

Trotz des wahrscheinlichen Ausscheidens aus der Champions League und des derzeit bescheidenen Abschneidens in der heimischen Liga, sieht der Bayer-Geschäftsführer die Zukunft gemeinsam mit dem aktuellen Trainer. „Wir sind alle froh, einen solchen Top-Trainer bei uns in Leverkusen zu haben“, schwärmt Carro von Bosz.

Dessen Vertrag endet mit dem Ablauf der laufenden Spielzeit. Laut Carro werden Gespräche über eine Ausdehnung des Arbeitsvertrages derzeit geführt, unabhängig von aktuellen Ergebnissen. In Leverkusen möchte man sich Kontinuität auf der Trainer-Position eintrichtern.