Borussia Dortmund

Boateng über Dembélé: „Kleiner Junge, der sehr viel Geld verdient“

Kevin-Prince Boateng läuft seit diesem Sommer zusammen mit Franck Ribery für die Fiorentina auf. Der 32-Jährige sprach im „Sport-Bild“-Interview jedoch nicht nur über die Bayern-Legende. Neben seinem Bruder Jerome, Ousmane Dembélé und Ante Rebic war auch Clemens Tönnies ein Gesprächsthema.

„Die Serie A ist der Bundesliga voraus“

„Ein wichtiger Grund, warum ich mich für Florenz entschieden habe“, sagt Boateng hinsichtlich seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn, die in Mailand wohnen. Mit Ribery verstehe er sich gut, „der Humor passt, wir lachen viel“. Sie seien „echte Typen, die gern vorangehen“. Beide hätten wohl nach Frankfurt wechseln können. Doch die Aussicht, in Italien beim Vorjahres-Sechzehnten etwas aufzubauen, war reizvoller. Auch, weil „die Serie A extrem interessant, der Bundesliga derzeit sogar einen Tick voraus“ sei. An Argumenten mangelt es Boateng nicht. „Die Liga ist ausgeglichener, es fallen mehr Tore, die großen Trainer sind zurückgekommen“, erklärt er. „Ancelotti zu Neapel, Conte zu Inter, Sarri zu Juve.“ Alles Gründe, weshalb er Jerome „das mit Juve auf jeden Fall gegönnt hätte“.

„Barca war keine gute Entscheidung“

Das halbe Jahr in Barcelona „war für meine fußballerische Karriere keine gute Entscheidung. Ich habe kaum gespielt, war nicht hinter Suarez – sondern hinter, hinter, hinter Suarez“, bemängelt er fehlende Wertschätzung. Der frühere Dortmunder Ousmane Dembélé fällt bei den Katalanen derweil regelmäßig mit Undiszipliniertheiten auf. „Er ist ganz ruhig, redet nicht viel.“ Der 22-Jährige sei „wie ein kleiner Junge. Einer, der sehr viel Geld verdient und extrem in der Öffentlichkeit steht“. Man müsse dem Franzosen „in die richtige Richtung weisen. Wenn er dann nicht lernt, ist es seine Schuld“. Boateng monierte aber auch: „Es kann nicht sein, dass ein 18-Jähriger drei, vier Millionen netto im Jahr verdient“. In dem Alter brauche man schließlich nur „ein Auto, um zum Training zu fahren, eine schöne Wohnung und Geld, um ab und zu shoppen zu gehen – das war es.“

Foto: David Ramos/Getty Images

Boateng vermisst im Fall Tönnies echte Konsequenzen

Auch Rebic machte vor seinem Wechsel zum AC Mailand mit Lustlosigkeit negativ auf sich aufmerksam. Mir dem Kroaten steht Boateng regelmäßig in Kontakt. Der Angreifer wollte unbedingt weg, habe aber „vielleicht gedacht, es klappt nicht mehr“ und sei unruhig geworden. „Frankfurt hat da aus meiner Sicht alles richtig gemacht“. Von dem Umgang mit Clemens Tönnies kann Boateng das nicht behaupten. „Einem Mann in so einer Position darf sowas nicht passieren“, sagt er hinsichtlich der rassistischen Äußerungen des Schalker Aufsichtsratsvorsitzenden. „Ich weiß nicht, wie solche Sachen rausrutschen sollen“. Drei Monate Pause würden „niemandem“ etwas bringen. Es wäre die Chance gewesen, „allen zu zeigen, dass so etwas nicht akzeptiert wird. Nicht in Deutschland. Nicht in der Bundesliga. Nicht in unserem Verein“. Die Äußerungen des 63-Jährigen „passen nicht zu den Werten des Traditionsvereins Schalke 04, indem viele Dunkelhäutige und Ausländer spielen“.

Boateng trat Rassismus immer wieder offen entgegen und wünscht sich, dass ihn die Menschen seiner Karriere als „geilen Typen“ in Erinnerung behalten. Durch den Pokalsieg mit Frankfurt habe das frühere Enfant Terrible in Deutschland jetzt endlich „einen ganz anderen Stellenwert“. Noch zu seinen Schalker Zeiten habe es ihn müde gemacht, „jeden Tag in der Zeitung zu sein. Da hat auch mein Ego gelitten“, gesteht er. Aktuell sind er und seine Familie einfach nur „happy, das wir wieder vereint sind.“