Richard Golz in seinem letzten Fall: Nach dem 0:3 beim FC Bayern München und dem Sturz ans Tabellenende am 31. Januar 1998 war der beliebte HSV-Torhüter im Erklärungsnotstand. Foto: Imago Images / Kicker/Liedel
Richard Golz in seinem letzten Fall! Am 31. Januar 1998 machte der HSV-Kult-Torhüter beim FC Bayern (0:3) sein letztes Spiel für die Hamburger. Es ging mit 2 Rekorden einher.
Im Münchner Olympiastadion waren erst 11 Sekunden gespielt, als Giovane Elber ein Missverständnis zwischen HSV-Torhüter Richard Golz und Abwehrchef Stefan Böger nutzte. Der Zusammenprall der beiden Hamburger machte den Weg frei für Elbers Tor – das bis heute drittschnellste der Bundesliga-Geschichte.
Es war der Auftakt in turbulentes, unvergessliches Fußballjahr mit der Sensations-Meisterschaft des 1. FC Kaiserslautern, der Wut-Rede von Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni („Ich habe fertig“), dem „Aus“ für Bundestrainer Berti Vogts nach 0:3 gegen Kroatien im WM-Viertelfinale, dem Abstieg des Karlsruher SC und der vielleicht peinlichsten Bundestrainer-Suche des DFB mit „Sir“ Erich Ribbeck und Uli Stielike als gefühlte 5. Wahl.
Für den Hamburger SV war diese Partie in München ein tieferer Tiefpunkt. Im 35. Bundesliga-Jahr standen die „Rot-Hosen“ erstmals auf dem 18. und letzten Tabellenplatz.
„Uns war allen bewusst, was das bedeutete“, sagte Richard Golz dem Kicker-Sportmagazin (Donnerstag-Ausgabe) im Rückblick-Interview, „ich erinnere mich, dass wir im Entmüdungsbecken des Olympiastadions saßen und uns in dem Moment über das historische Ausmaß im Klaren waren.“
Gut, der HSV konnte mit Trainer-Unikum Frank „Pagel“ Pagelsdorf den Abstieg vermeiden. Aber für Golz war es das bei dem Verein, für den er seit dem 17. Lebensjahr spielte. Der gebürtige Berliner hatte in der Winterpause noch ein Angebot von Tottenham Hotspur aus der Premier League. Mit dem ersten Auftritt im neuen Jahr in München war die Sache mit den „Spurs“ aber vom Tisch. Golz: „Und nach dem Spiel war das Fenster zu – und die Gespräche in dieser Angelegenheit mit meinem Berater Wolfgang Vöge und Tottenham beendet.“
„Ich habe ja in diesem Moment nicht realisiert“, so Richard Golz über seinen letzten HSV-Einsatz, „dass es mein letztes Spiel sein würde. Schmerzhaft war, dass ich am Ende tatsächlich nie offiziell vom HSV verabschiedet wurde.“
Abschied eines verdienten Spielers durch die kalte Küche – das kann man nicht nur in Madrid prima, sondern auch in Hamburg.
Die Gelegenheit zur Revanche kam für Golz bei seinem neuen Klub. Beim SC Freiburg hielt er am 3. Oktober 1998 beim Stande von 0:0 gegen den HSV und Butt in der 90. Minute im Dreisamstadion einen Elfmeter.
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