IMAGO / Sven Simon
Manchmal entscheidet ein Elfmeter nicht über Sieg oder Niederlage, sondern über die Tragik eines einzelnen Spielers. Alexis Claude-Maurice hat in Augsburg inzwischen den Status eines Unterschiedsspielers – und das sollte wörtlich genommen werden: Er macht den Unterschied. Nur eben nicht immer den, den man erwartet. Eine Glosse.
Gegen Hoffenheim trifft Claude-Maurice sehenswert zur Führung, mehrere Finten schalten gleich mehrere Verteidiger aus, ein Schuss kurz vor dem Sechszehner, sauber in den Kasten von Nationalkeeper Oliver Baumann. Selbst das Tornetz hat hier kurz überlegt, ob es dem Jubel in der WWK-Arena Folge leisten soll. So schön war der Treffer und so laut waren die Fans des FCA. Da können sich die Hoffenheimer eine Scheibe von abschneiden.
Für den 27-Jährigen war dieser Treffer ein Kinderspiel. Ein Kinderspiel soll auch der Elfmeter am Ende der Partie sein. Schiedsrichter Daniel Schlager zeigt auf den Punkt, ein Foul an dem flinken Anton Kade war die Ursache. Zu dem Zeitpunkt steht es 2:2, es roch stark nach dem ersten Augsburger Sieg nach vier sieglosen Partien. Der Moment, den Claude-Maurice zum Helden krönt und die Augsburg-Fans wieder das Gefühl vom Siegen gibt. Zuletzt gab es das zu Hause gegen den 1. FC Köln (2:0).
Doch der Angreifer entscheidet sich für eine andere Form der Dramaturgie: Er hebt den Ball über das Tor, als wolle er seine Lupfer-Technik demonstrieren, als wolle er jemandem im Publikum das Bier aus der Hand knallen. Oder als wolle Kapitän Keven Schlotterbeck nachahmen, als dieser im März gegen RB Leipzig (1:2) einen Elfmeter verschoss. Das ist Claude-Maurice tatsächlich besser gelungen, denn Schlotterbecks Strafstoß war einfach nur schwach getreten.
Für den verschossenen Elfer gab es von Mitspieler Rodrigo Ribeiro aufmunternden Applaus. Vielleicht hätte doch der junge Portugiese antreten sollen. Aber der FC Augsburg will seinem Spielmacher Claude-Maurice nicht die Show stehlen. Er soll ja – egal was er tut – seinen Marktwert weiter steigern und im Sommer den Kontostand der Fuggerstädter in die Höhe schießen lassen. So hoch, wie Claude-Maurice den Ball über die Latte drosch.
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