Alexander Schwolow steht vor dem größten Spiel seiner Karriere – und Heart of Midlothian vor einem historischen Fußball-Wunder. Am letzten Spieltag der schottischen Premiership geht es für die „Hearts“ im Celtic Park um den ersten Meistertitel seit 66 Jahren. Die Ausgangslage ist klar: Ein Unentschieden beim Serienchampion Celtic Glasgow reicht den Gästen aus Edinburgh.
Dass ausgerechnet Außenseiter Hearts überhaupt in diese Position gekommen ist, erzählt viel über die Mentalität dieser Mannschaft – und über die Rolle von Alexander Schwolow. Der frühere Bundesliga-Torwart, einst für Freiburg, Hertha, Schalke und Union Berlin im Einsatz, verkörpert die neue Stabilität des Traditionsklubs aus der Hauptstadt.
Und er nimmt die Rolle des Herausforderers mit voller Überzeugung an. „Uns wurde in der ganzen Saison schon öfter misstraut“, sagte Schwolow dem SID. „Immer konnten wir eine Antwort geben. Ich sehe keinen Grund, warum wir sie jetzt nicht auch wieder geben sollten.“
Die Nervenprobe am letzten Spieltag ist auch deshalb so brisant, weil sie durch ein echtes VAR-Drama überhaupt erst entstanden ist. Beim 3:2-Sieg von Celtic in Motherwell sorgte ein umstrittener Handelfmeter in der Nachspielzeit dafür, dass der Rekordmeister bis auf einen Punkt an die Hearts heranrückte.
Statt eines komfortableren Polsters wartet nun ein Endspiel mit maximaler Wucht – 60.000 Zuschauer, ein brodelnder Celtic Park, eine ganze Nation im Ausnahmezustand.
Für die Hearts ist es die Chance, eine gläserne Decke zu durchbrechen. Seit 1985 ging der Titel in Schottland ausschließlich nach Glasgow, entweder an Celtic oder die Rangers. Nun könnte ausgerechnet der fangetragene Klub aus Edinburgh das jahrzehntelange Machtgefüge sprengen. Dass die Hearts in dieser Saison bereits zwei von drei Duellen mit Celtic für sich entschieden haben, dürfte zusätzlich Selbstvertrauen geben.
Schwolow jedenfalls glaubt an die Sensation. „Wir sind selbstbewusst. Wir glauben natürlich dran“, sagt der 33-Jährige. In seiner ersten Saison in Schottland kann er sich auf einen Schlag unsterblich machen. Noch 90 Minuten trennen ihn und die Hearts von einem Titel, der weit mehr wäre als nur eine Meisterschaft – es wäre ein Erdbeben im schottischen Fußball.
Hearts gehen mit einem Punkt Vorsprung ins direkte Saisonfinale gegen Celtic; ein Remis reicht zum Titel. Celtic hielt sich durch ein spätes 3:2 in Motherwell im Rennen, der Elfmeter zum Sieg war hochumstritten. Zudem wäre Hearts der erste Meister außerhalb von Celtic oder Rangers seit 1985.
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