Champions League

Atalanta Bergamos Gosens: „Im NLZ wäre ich kein Profi geworden“

Es ist noch gar nicht lange her, da kannten ihn in Deutschland nur wenige Fußball-Experten. Mittlerweile hat sich Robin Gosens ins Rampenlicht gespielt. Das fulminante 4:1 über den FC Valencia im Achtelfinalhinspiel der Champions League war der vorläufige Höhepunkt einer Erfolgsgeschichte, zu deren Hauptprotagonisten seit 2017 auch der 25-Jährige aus Emmerich am Rhein gehört.

Gosens: „Geile Art, Fußball zu spielen“

Lange flog der Verein aus der Lombardei selbst national eher unter dem Radar und platzierte sich nach dem Wiederaufstieg 2011 in schöner Regelmäßigkeit im Mittelfeld der Serie A. Nun spielt man in sogar in der Königsklasse eine gewichtige Rolle. Doch was macht La Dea so erfolgreich? „Unser Ansatz lautet: Vollgasfußball nach vorne. Die ersten Worte, die ich im Klub gelernt habe, waren: in avanti – nach vorn“, erklärt Gosens im „SportBild“-Interview.

In der Liga haben die Nerazzurri in 25 Spielen 70 Mal getroffen und stellen damit die stärkste Offensive Italiens. „Wir spielen extrem hohes Pressing, teilweise im Eins-gegen-Eins über das ganze Feld. Das ist manchmal risikoreich, vor allem gegen kombinationsstarke Mannschaften“. Für den offensivstarken Linksverteidiger ist es „aber total geil, weil diese Art Fußball zu spielen, richtig Bock macht. Und erfolgreich ist sie auch: So haben wir uns letztes Jahr für die Champions League qualifiziert und sind jetzt wieder Vierter in der Liga.“ Erst kürzlich fertigte man den Aufsteiger US Lecce spektakulär mit 7:2 ab.

Foto: OLI SCARFF/AFP via Getty Images

„Hatte keine besondere Fähigkeit“

Dabei sah es für Gosens nicht unbedingt nach einer steilen Profikarriere aus. Als er in Bergamo von einigen Mitspielern „gefragt wurde, bei welchem Profiverein in Deutschland ich ausgebildet wurde, antwortete ich: bei keinem. Ich glaube, der eine oder andere denkt heute noch, dass ich ihn auf den Arm nehme“. Gosens wechselte 2012 aus der U19 des VfL Rhede in die Jugend von Vitesse Arnheim. Über Heracles Almelo kam er schließlich in die Lombardei. „Ich habe in Rhede gemerkt, dass ich besser zocken konnte als die meisten Mitspieler. Aber ich hatte nicht die eine, besondere Fähigkeit, um herauszuragen“, schildert der selbsterklärte Schalke-Fan den Umstand, dass er hierzulande nicht den Talentspähern größerer Klubs aufgefallen war. „Dass da dann plötzlich ein Scout von Vitesse war, der etwas in mir gesehen hat, war sicher auch eine glückliche Fügung.“

Foto: Alessandro Sabattini/Getty Images

Kein NLZ – aber harte Schule in Holland

Bis dahin war Gosens allerdings durchaus zufrieden. „Zweimal die Woche Training, am Wochenende war ich regelmäßig mit meinen Jungs feiern, und am Sonntag stand ich um 11 Uhr auf dem Platz“. Bedauert er es, dass er wie viele andere kein NLZ besucht hat? „Nein, dann wäre ich heute wahrscheinlich gar kein Profi. Wenn ich mit 13 oder 14 Jahren schon jeden Tag zum Training gemusst hätte, glaube ich nicht, dass ich jetzt mit 25 noch Lust gehabt hätte, mein Leben weiterhin nur nach dem Fußball auszurichten.“

Das bedeutet jedoch nicht, dass sich Gosens durchgemogelt hat. „Als ich gemerkt habe, dass die Chance zum Profi da ist, habe ich richtig hart an mir gearbeitet. In Holland wurden meine technischen Defizite anfangs gnadenlos aufgedeckt. Jeden Tag habe ich zusätzlich trainiert, um die auszumerzen“, berichtet er. „Und jetzt genieße ich jede Minute, weil ich mein geiles Leben zu schätzen weiß.“