Borussia Dortmund

Karl-Heinz Riedle: „Sancho macht Sachen, die ich noch nie gesehen habe“

112 Spiele hat Karl-Heinz Riedle zwischen 1993 und 1997 für Borussia Dortmund bestritten, dabei netzte er 36 Mal ein, 25 weitere Male assistierte der frühere Mittelstürmer einem Teamkollegen. Ohnehin unvergessen ist sein Auftritt im Champions-League-Finale 1997, als er den BVB mit zwei Toren zum Titel schoss. Einen solchen Erfolg können Erling Haaland und Jadon Sancho zwar noch nicht vorweisen, Riedle traut den beiden aber einiges zu.

„Sancho fast an allen Treffern beteiligt“

„Aus meiner Sicht gab es noch nie einen BVB-Zugang, der so eingeschlagen hat. Noch mehr sogar als Haaland“, zeigt sich der 54-Jährige in der „SportBild“ von Sancho hellauf begeistert. „Für das, was Sancho in den letzten Wochen und Monaten gezeigt hat, gibt es nur ein Wort: Weltklasse. Unfassbar, wie sich dieser Junge sich mit 19 präsentiert! Er schießt nicht nur selbst viele Tore, er ist ja an fast allen Treffern irgendwie beteiligt.“

In der Tat sind die Zahlen des junges Engländers mehr als beeindruckend. Der 2017 aus der Jugend von Manchester City gekommene Offensivkünstler hat für den BVB in 90 Pflichtspielen 31 Tore erzielt und 42 vorbereitet. Allein in dieser Saison gelangen ihm in 23 Bundesliga-Spielen 14 Treffer und 16 Assists. „Sancho macht Sachen, die ich in der Bundesliga noch nie gesehen habe: Seine ganzen Bewegungsabläufe, die Turbo-Dribblings, wie er immer wieder mit vollem Risiko in die Eins-gegen-eins-Situationen geht und sich durchsetzt. Sein Einfluss auf das Spiel des BVB ist wahnsinnig groß“, kommt der Weltmeister von 1990 aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus und wünscht sich, dass Sancho „noch lange in Dortmund bleibt.“

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Riedle rät Haaland von Wechsel ab

Doch auch Haaland „hat bewiesen, dass er schon mit 19 bei einem großen Verein, in einer Top-Liga und in der Champions League locker mithalten kann. Wenn er auf dem Boden bleibt, wird er mit Sicherheit einer der besten Stürmer der Welt„. Der Norweger ist ein ganz anderer Spielertyp als Sancho und gerade deshalb für den BVB eine Bereicherung. „Haaland bringt alles mit, was ein Weltklasse-Stürmer braucht: Er ist wahnsinnig schnell, hat einen Super-Antritt, einen sensationellen Torriecher, ist eiskalt vor dem gegnerischen Kasten. Und er kann etwas, was den Dortmundern zuletzt gefehlt hat: Wenn man mit längeren Bällen agieren muss, hat er durch seinen starken, bulligen Körper eine enorme Verdrängung und hält die Bälle im Strafraum.“

Von einem baldigen Wechsel rät Riedle dem 1,94-Meter-Hünen jedoch ab. „Es wäre völlig verkehrt, nach ein paar guten Spielen beim BVB schon an den nächsten Schritt zu denken und zu sagen: Ich gehe bald zu Real“. Schließlich sei auch Haaland nicht vor einer temporären Ladehemmung gefeit und dann in Dortmund besser aufgehoben. „Er steht noch am Anfang seiner Karriere, hat noch genug Zeit, irgendwann zu einem noch größeren Klub zu gehen.“

Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images

„Werder hat keinen Knipser mehr“

Für Riedle gehört Dortmunds Winterneuzugang mit Lionel Messi, Cristiano Ronaldo und Robert Lewandowski dennoch zu den „aktuell besten Stürmern der Welt.“ Der Pole sei derweil für die Bayern unersetzbar. „In den entscheidenden Spielen in der Champions League oder gegen die Titelkonkurrenten würde er schmerzhaft fehlen“. Gegen schwächere Gegner „funktioniert es zum Beispiel mit Thomas Müller ganz vorne drin. Aber gegen Europas Top-Teams macht Lewandowski den Unterschied.“

Von solchen Luxus-Problemen kann mit Werder ein weiterer Ex-Klub von Riedle nur träumen. „Natürlich ist es ein großer Nachteil, wenn du keinen Super-Knipser mehr hast – wie früher Claudio Pizarro, Max Kruse, Ailton oder Klose“, erinnert er an die große Stürmer-Tradition der Hanseaten. „Wichtige und enge Spiele werden meist durch Top-Stürmer entschieden“, weiß Riedle, der auch für Lazio Rom und Liverpool spielte. Für die stark abstiegsbedrohten Bremer werde der Nicht-Abstieg eine Herkulesaufgabe. „Die Verunsicherung wird mit jeder Niederlage größer und es wird wahnsinnig schwer, da unten rauszukommen. Um den Klassenerhalt zu schaffen, müssen die Bremer ganz schnell eine Serie hinlegen.“